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Sanochemia: Die harmonische Kompromiss-Idee, damit die Kleinen nicht rausgedrängt werden (Günter Luntsch)

Wie Sand am Meer. Zum Leserbrief der vorigen Woche sollte ich Stellung nehmen, der sich auf die "Gmahte Wiesn" (unter Anführungszeichen) bei Sanochemia bezieht. Mir hat bei der Vorgangsweise einiges nicht gefallen, insbesondere natürlich die für den Normalaktionär so plötzliche Ankündigung der Insolvenz. Auch heute noch fehlen mir die notwendigen Informationen. Da kann man schon einmal giftig werden, wenn man das Gefühl hat, als Aktionär (und eventueller nochmaliger Geldgeber) nicht ernst genommen zu werden. Hier der Kleinaktionär, der für 1 Aktie sehr viel Geld bezahlt hat, und der jetzt uninformiert dasteht, und dort der Großaktionär, der weit weniger für 1 Aktie zahlt und alle Informationen hat. Wirklich nicht schön.

Das Ansinnen vieler Aktionäre, sich an der Rettung des Unternehmens zu beteiligen, ist genauso berechtigt wie das Ansinnen von Kapitalgebern von außen, hier helfen zu dürfen, bei fairer Aufteilung der Sanierungsrendite und Sanierungsrisiko. Nur ist im Moment weder Zeit für Konkurrenz unter Kapitalgebern noch für Gedanken an Sicherung von Arbeitsplätzen. Zuerst einmal muss das Unternehmen selbst überleben, und es wird auch Mitarbeiter brauchen, die das Geschäft kennen, die daher die nötige Hilfe bei Produktion, Kundenakquisition und Auslieferung leisten können. Ich denke, das an der Kapitalzufuhr beteiligte Land Burgenland wird auf die Arbeitnehmer genauso schauen wie die Arbeiterkammer. Um das Unternehmen selbst zu retten, incl. der AG-Hülle, die uns Aktionären gehört, muss uns in erster Linie die Ertragskraft des Unternehmens interessieren. Rettet jemand nur das Werk und die Arbeitsplätze (auch das kommt vor), sind trotzdem auch die letzten Cents der Aktionäre weg, eine leere AG-Hülle braucht niemand. Was die steuerlichen Verlustvorträge betrifft, so ist die Verwertung in Deutschland wie in Österreich in den letzten Jahren viel schwieriger geworden. Kommt es z.B. zu einem abrupten Wechsel von Eigentümer und Management, sind sie weg. Wenn wir schon das Unternehmen retten, sollte man dieses Asset auch bewahren. Ich rechne also damit, dass auch nach Aufgabe der Börsenotiz und nach Bezahlung der ersten Sanierungsplanrate erstens die Minderheitsaktionäre noch eine Zeitlang an Bord bleiben dürfen, einige Jahre, und dass zweitens auch die anderen Raten aufgebracht werden, und zwar um die Verlustvorträge durch Insolvenz der AG nicht zu riskieren, außerdem sind drei Kapitalgeber an Bord, ich sehe also das Risiko nicht, dass es die drei gemeinsam nicht schaffen könnten.

Dass das Unternehmen so schnell wie möglich wieder eigenverwaltet wird, das ist dringend notwendig, die drei Monate ohne Führung am schwer umkämpften Markt waren sicher kostspielig genug. D.h. wenn ein Investor jetzt ein paar Millionen aufbringen kann, die er gut investieren möchte, dann gäbe es mehrere sinnvolle Möglichkeiten: Erstens eines der unzähligen anderen insolventen Unternehmen zu retten, die es in Österreich gibt, mit allen bekannten Nachteilen wie zuwenig Zeit, kein voller Einblick in die Bücher, nicht auffindbares Firmenvermögen, keine Hilfe durch andere Kapitalgeber bei der Sanierung, man kann also ganz schnell viele Millionen Euro sinnlos versenken. Zweitens könnte man sich um eine der Sanochemia-Töchter kümmern, die jetzt auch in Konkurs sind, vielleicht ist eines dieser Unternehmen sanierungswürdig, und an die Unterlagen könnte man bestimmt auch kommen, Hauptvorteil wäre die überschaubare Größe dieser Unternehmen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man die Sanierung ohne Hilfe weiterer Geldgeber schafft. Die dritte Möglichkeit wäre, sich für die aktuelle Sanierung der Sanochemia Pharmazeutika AG als ergänzender Investor anzubieten. Ergänzend in dem Sinn, dass die erste Rate so schnell wie möglich fließen muss, um die Insolvenz zu beenden, die Zeit arbeitet leider gegen uns (gegen die Sanochemia und ihre Aktionäre).

Es gibt so viele Beispiele auch von der Wiener Börse, wo Sanierungen gescheitert sind, mir selbst fällt an der Wiener Börse kein einziges Unternehmen ein, das nach einer bereits eröffneten Insolvenz weiterleben hat können.

Die hohen Sanierungsplanraten (falls dem Sanierungsplan zugestimmt wird) plus die weiter nötigen Investitionen ins Unternehmen zu stemmen, das bereitet bestimmt auch den drei Kapitalgebern Kopfzerbrechen. Ein für alle Seiten fairer Vertrag (was gleiche Chancen und Risiken betrifft) könnte Risiken aus dem Projekt nehmen und daher auf fruchtbaren Boden fallen. Natürlich müssen das Juristen schön ausformulieren, Zahlen können beliebig ersetzt werden, als Minderheitsaktionär würde ich ungefähr so etwas als fair betrachten: "Für die bis spätestens 30.4.2021 durchzuführende Kapitalerhöhung über weitere 6 Mio. Euro ist für jeweils 1 Aktie der Buchwert pro Aktie am Ende des Geschäftsjahres 2019/20 maßgeblich. Zu diesem Buchwert sind anteilig für Patent A 150.000 Euro, für Zulassungsverfahren B 30.000 Euro (usw) hinzuzurechnen. Der doppelte daraus errechnete Buchwert pro Aktie ist für die jungen Aktien zu entrichten, mindestens aber 1 Euro, höchstens 1,20 Euro. Es werden Aktien ausgegeben, bis der Gesamtbetrag von 6 Mio. Euro erschöpft ist. Davon kommen 2 Mio Euro von Investor A, 700.000 Euro von Investor B, die restlichen 3,3 Mio. Euro werden den am Unternehmen per 31.12.2019 beteiligten Aktionären im Verhältnis ihrer Anteile per 31.12.2019 angedient. Die für verfallene Bezugsrechte zustehenden Aktien zeichnet die bew Beteiligungs GmbH". So ziehen alle an einem Strang, das Unternehmen wird gerettet, die b.e. imaging GmbH wird größter und somit bestimmender Aktionär sein, und die Minderheitsaktionäre laufen nicht Gefahr, dass sie outgesqueezt werden. Alles harmonisch. Hoffen wir, dass es so kommt. Es bleibt jedenfalls spannend.

(Der Input von Günter Luntsch für den http://www.boerse-social.com/gabb vom 02.03.)



(02.03.2020)

Handshake, Hand, freundlich, offen, http://www.shutterstock.com/de/pic-184062419/stock-photo-handsome-young-businessman-offering-hand-for-handshake.html, (© www.shutterstock.com)


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Günter Luntsch

#gabb Autor, siehe http://boerse-social.com/...

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