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Alkohol-Aspekte an der Börse: Ottakringer, Heineken, Stadlauer Malz, Erinnerung an Schlumberger (Günter Luntsch)

Ob ein Alkoholiker auch Alkoholaktien kauft? Nein, tut er nicht. Der Alkoholiker denkt nicht strategisch. Und schon gar nicht denkt er an die Zukunft. Der Alkoholiker hat genug mit seinen aktuellen Problemen zu kämpfen. Alkohol ist nicht per se gut oder schlecht, Alkohol ist unter anderem eine Droge wie Tabletten der Pharmaindustrie und wie Drogen, die verboten sind. Wie diese dient er vielen Menschen zur Veränderung der Wahrnehmung, zum Ertragen einer in nüchternem Zustand schwer erträglichen Situation. Der eine nimmt Medikamente vom Arzt, der andere versucht die Selbstmedikation mit Hilfe von Mitteln, für die er keine Verschreibung braucht: Alkohol ist leicht erhältlich. Dem Alkoholiker kann man nicht damit helfen, indem man ihm einfach die Flasche wegnimmt. Dem Alkoholiker kann man nur helfen, indem man seine Lebensumstände drastisch verändert. Der Alkoholiker "ertränkt seine Sorgen" sprichwörtlich im Alkohol. Der Alkoholiker ist schwer depressiv, der Alkohol hilft ihm, seine Situation angenehmer wahrzunehmen. Solange der Alkohol wirkt. Vergleichbar mit schwer Drogenabhängigen, ja. Alkohol ist meist billig, der Alkoholiker ist meist arm bzw. wird während seiner Abhängigkeit arm. Verständlicherweise will kein Alkoholproduzent seine Produkte mit Alkoholikern in Verbindung gebracht sehen. Daneben ist Alkohol auch desinfizierend (kennt man von Western mit Wundreinigung durch Feuerwasser, das sie als einzige Medizin glücklicherweise immer bei der Hand hatten), und sogar als Energiequelle kann Alkohol dienen (Brasilien ist von reinen Bioethanol-Autos auf Autos mit Bioethanol-Beimischung umgestiegen, liest man auf https://de.wikipedia.org/wiki/Bioethanol). Vor allem soll Alkohol aber ein Genussmittel sein, und als dieses möchte ich es auch sehen: Nicht gesoffen, sondern genippt. Die Grenze zwischen Genuss und Abhängigkeit ist schnell überschritten, und zwar dann, wenn man Alkohol braucht, um sich das Leben ausreichend "schön zu trinken", um seine triste Situation angenehmer zu empfinden. Wer Alkohol produziert oder weitergibt, hat Verantwortung. So wollen wir heute über den GENUSS von Alkohol sprechen, über die besonderen Anlässe und über die gute Stimmung, in die uns geringe Mengen von Alkohol versetzen können. "Angeheitert" ist nicht "bummzua". "In vino veritas", wer besoffen ist, lässt seine Maske fallen, und das ist gut für diejenigen, die den Menschen so kennen lernen, wie er wirklich ist. Was auch der tiefere Sinn vieler Einladungen auf ein paar Glaserl ist. Wir wollen nüchtern bleiben.

Als ich damals als Heiliger Dreikönig durch die Straßen zog, waren die Menschen sehr freundlich zu uns braven Sängern in ehrenwerter Mission. Wie der Zufall so will, fiel unser Besuchstag genau mit dem Tag zusammen, an dem alle Leute ihre Christbäume abräumten. Was lag näher, als diese Massen von Schoko-Schnapsflascherln an uns jugendliche Naschkatzen zu verschenken? So viele Sorten, eine süßer als die andere, wir wurden richtige Experten. Mit fortschreitendem Tag wurde uns in dieser Eiseskälte immer wärmer, und durch den Spiritus Sancti beseelt, erweiterte sich unser Wortschatz, und wir sangen fließend in altorientalischen Sprachen bzw. was wir dafür hielten, wir Könige untereinander verstanden uns jedenfalls. Der Pfarrer bekam Wind von unseren Verirrungen und unterband in der Folge die Ausgabe von alkoholhältigen Süßigkeiten an uns, ja, er schimpfte sogar über unsere großzügigen Gönner. Hernach zogen wir wieder mit seriösen Liedern durch die Lande und arbeiteten fortan an der Wiederherstellung unserer Reputation. Kein "Von den blauen Bergen kommen wir" mehr, wir hielten uns an die Vorgaben und behielten bis zum Schluss das auswendig gelernte Lied im Kopf. Der Weg zur Wiedererlangung unseres königlichen Rufs war ein langer. Wir lernten damals unsere Grenzen kennen, und das ist gut. Beim Bundesheer kam dann die totale Ernüchterung, angesichts der vielen herumliegenden Vorgesetzten, blau wie die Haubitzen, die man aber mit Scherzen wie "Die Militärpolizei fragt, ob Sie etwas getrunken haben?" wiederbeleben konnte. Die Versuche, sich aufzurichten und wie Homo Sapiens auf zwei Beinen zu stehen, waren für den Zuseher köstlich. Aber so wollte man nicht werden. Auch nicht, wenn eine gut bezahlte Beamtenkarriere winkt. Im Erwachsenenalter jetzt trinke ich so wenig, dass Bier bei mir Gefahr läuft, das Ablaufdatum zu überschreiten, aber keine Sorge: Alkohol wird nicht so leicht ungenießbar, auch nach Überschreiten des Ablaufdatums hält Bier noch recht lang. Solange der Kronkorken oder die Dose nicht durchrostet, ist alles in Ordnung. Allerdings darf man bei Bier genau wie bei Sekt nicht auf Wertsteigerung wie bei alten Weinen oder alten Whiskeys hoffen, ich habe noch nie von Langfristanlage in Bier oder Sekt gehört. Nur den Witz: "Ich habe ein Leben lang gearbeitet, und Du hast ein Leben lang gesoffen, warum bist Du plötzlich so reich?" "Ich habe die Pfandflaschen zurückgebracht."

Als ich meine ersten Schritte an die Börse wagte, war der Kurszettel in Wien voll mit Biertiteln. Ich hatte sie wohl alle. Damals war Goldgräberstimmung in Wien, es stieg eigentlich alles. Dass die Börse auch den Weg nach unten einschlagen könnte, war undenkbar. Bieraktien hat man wie Bauaktien vor allem wegen der kolportierten hohen Stillen Reserven in den Grundstücken gekauft. Bier, das lag nahe, dieses Produkt kennt jeder von uns, damit kann man nichts falsch machen. Wer von uns hat nicht davon geträumt, seine eigene kleine Brauerei zu besitzen? Nicht viele haben Gelegenheit, diesen Traum zu verwirklichen wie Herr Medl (http://hermann.marketing/medl-braeu-penzinger-gasthofbrauerei/), das taugt mir übrigens sehr, was er gemacht hat, also zu investieren anstatt den Lottogewinn zu verjuxen! Daher keine eigene Brauerei für mich, nur Brauerei-Aktien. Meine größte Position war damals aber Schlumberger. Da hatte sich die unglückliche Situation ergeben, dass die eine Kapitalerhöhung durchführten, ich durfte recht groß einsteigen. Und meinem Kapital beim Dahinschwinden zusehen. Ich mochte Schlumberger. Der Sekt war hochpreisig, also nichts für Alkoholiker, sie warben mit Histaminarmut, also mit einem gesunden Produkt, und die Geschäftsberichte waren immer wunderschön. Auf die damals legendären Hauptversammlungen durfte ich nicht gehen, weil meine Bank mit horrenden Spesen für die Stimmkartenanforderung mich davon abhielt. Also musste ich unbeteiligt zusehen, wie sie großzügig mein Geld verprassten. Als ich Jahre später endlich einen Broker ohne Stimmkartengebühr gefunden hatte, waren die üppigen Zeiten vorbei: die Besucher der Hauptversammlung wurden äußerst schlecht behandelt. Erst als die ersten HV-Teilnehmer dem Kollaps nahe waren, gab es überhaupt Wasser. Und sogar am Eingang zum Klo war ein Körberl, jemand saß daneben und bewachte das Klo, damit niemand ohne zu zahlen durchrutscht. Echt, diese Hauptversammlung war so ziemlich die tiefste, an die ich mich erinnern kann. In 30 Jahren haben die es fertig gebracht, zwei Drittel meines Geldes zu verwirtschaften. Dann mussten die Underbergs notverkaufen, und der Übernehmer forderte von den Minderheitsaktionären deren Aktien zum gleichen Preis. Obwohl ich gar nicht notverkaufen musste, ich hätte weitere 30 Jahre durchgehalten. In den Neunzigern war ich so dumm, so stolz auf meine Beteiligung, dass ich zu allen möglichen Anlässen und auf Besuchen im Ausland Schlumberger-Sekt als Geschenk mitbrachte. Der Aktionär als Markenbotschafter. Ich fühlte mich als Teil der Familie, das war ab dieser denkwürdigen HV zu Ende, und endgültig ist der Bruch seit meinem von mir nicht gewollten Rauswurf aus der Gesellschaft. Mein Geld haben sie genommen, und dann sind wir Aktionäre so schlecht behandelt worden. Schlumberger kommt mir nicht mehr auf den Tisch.

Nur Ottakringer (ISIN AT0000758008 und AT0000758032, der Unterschied ist mittlerweile sehr gering, ich erwähnte bereits, dass man eventuell auf eine Zusammenlegung spekulieren könnte) ist mir geblieben, die anderen ehemals an der Wiener Börse notierten Bieraktien gehören jetzt zu Heineken (ISIN NL0000009165). Das ist nicht weiter schlimm, diese Woche erst habe ich bei der Eröffnung eines neuen Lokals im Nordbahnviertel (die hatten sogar vor Eröffnung schon eine schöne Homepage, die nehmen das Abenteuer Wien wirklich ernst, ich hätte mich nicht getraut, dort ein Lokal zu eröffnen, wo rundherum noch so viele Baustellen sind, man kann den Markt dort unmöglich abschätzen, http://www.gastro-event.at/genusslounge.html) mit netten Leuten Zipfer gekostet und muss sagen, dass es absolut trinkbar geblieben ist, Hauptsache kühl und erfrischend. Man hört, dass Heineken Braumeister aus Österreich nach Holland holt, um das dortige Bier zu verbessern. Ich glaube, jeder Biertrinker wird mir zustimmen: das Bier ist nach der Übernahme nicht schlechter geworden. Meine Vorurteile gegenüber dem ausländischen Heineken sind verzogen, irgendwann schaue ich sie mir vielleicht noch genauer an, Chart ist okay, aber es ist nicht dringend.

Warum Ottakringer mein letzter Alkoholwert im Depot ist und dort wohl auch bleiben wird? Erstens die Atmosphäre, es wird dort so schön bodenständig-derb gesprochen, authentisch, nichts ist gekünstelt, das sind echte Handarbeiter, und man fühlt sich auf der HV unter unseresgleichen. Zweitens dürfte das Betriebsklima dort gut sein, ich habe mit einigen Arbeitern gesprochen, sogar die Führungskräfte sind im eigenen Unternehmen gewachsen und nicht teuer und risikoreich über Headhunter gefunden worden. Drittens ist es halt "meine kleine eigene" Brauerei. Viertens habe ich viel Bezug zu Ottakringer (und jetzt auch Vöslauer), weil ich deren Produkte allenorts beim täglichen Einkauf zu Gesicht bekomme. Fünftens finde ich es nun gut, dass der Konzern jetzt breit aufgestellt ist, dass er von Bier über Alkoholfreies, Radler und Flavour-Wässern auch Mineralwasser anbietet. Das war nicht immer so, anfangs war es schwer für mich, nachvollziehen zu können, was Wasser mit Bier zu tun hat. Aber der Trend geht langfristig weg vom Alkohol, mit nichtalkoholischen Getränken öffnet man sich weiteren Konsumentengruppen. Die in den 90ern von einem hochrangigen Ottakringer-Mann wohl in Bierlaune getätigte Forderung "Wer keinen Alkohol trinkt, soll nach Saudi-Arabien auswandern." ist somit ein für allemal vom Tisch. Jeder Konsument ist bei Ottakringer willkommen, wir haben für jeden das Passende.

Der Hauptgrund, warum Ottakringer bei mir einen Stein im Brett hat, ist aber das Streben der Ottakringer-Chefetage nach "Nachhaltigkeit", incl. Umwelt-, Ressourcen- und Gesundheitsschutz. Es ist noch vieles nicht gut, also die 0,33-Liter-Wegwerfflaschen gefallen mir nicht, auch die PET-Einwegflaschen finde ich nicht gut. Ich verstehe aber, dass das dem Markt geschuldet ist: viele Menschen wollen keine Pfandflaschen zurückbringen (und werden somit nie reich, siehe Witz weiter oben), und sie wollen keine schweren Glasflaschen schleppen. Frau Wenckheim hat mich bezüglich der PET-Flaschen aufgeklärt, PET-Flaschen geben im Lauf der Zeit Partikel ab, man sollte also Getränke nicht lange in PET-Flaschen lagern, und schon gar nicht in der prallen Sonne. Sie bevorzugt die Glasflasche. Die bei Vöslauer jetzt leichter und somit auch für den Konsumenten leichter transportierbar ist. Eine 1-Liter-Plastikflasche ist bei Vöslauer eine Pfandflasche (es gibt auch eine 1-Liter-Einwegflasche). Vöslauer ist mit Radlberger, Coca-Cola, Rauch und Spitz am PET-Recycling-Werk in Müllendorf (www.pet2pet.at) beteiligt. Eine Hoffnung für Plastik. Ich muss nächstes Mal fragen, wie ich als Konsument sie unterstützen kann, bei mir fällt ziemlich viel Plastik an, das ich in gute Hände vergeben will. Immer wieder gibt es Aufrufe von guten Menschen und Initiativen, für einen guten Zweck z.B. Plastikstöpsel zu sammeln, und sobald ich viele beisammen habe, gibt es die Initiative nicht mehr. Schad drum. Mein Wohlgefallen findet weiters Herrn Hudlers Aussage, dass er nicht Wasser um die ganze Welt transportieren möchte, das würde niemand verstehen. Ich verstehe wirklich nicht, warum ich in der kleinsten Spar-Filiale Wasser aus Fiji finde. Wer, bitte, trinkt sowas? Und warum?

Wer nicht so direkt ans Biergeschäft anstreifen möchte: Die Stadlauer Malzfabrik (ISIN AT0000797303) beliefert namhafte Brauereien in Österreich und östlich davon mit Malz, sie ist international aufgestellt, die Homepage gibt es sogar auf Russisch. Daneben kreieren sie Backmischungen, neben anderen ist offenbar Ströck ein Kunde. Sie erzeugen so viele Bäckereizutaten, von denen wir Konsumenten nicht einmal ahnen, dass es sie gibt. Bis hin zu Kastanienpürree.
Heineken (85,63/85,65 , 0,59% )



(03.09.2018)

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Günter Luntsch

#gabb Autor, siehe http://boerse-social.com/...

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