Deutschland baut 2026 voraussichtlich weniger als 200.000 neue Wohnungen. Das ist nur die Hälfte des Regierungsziels und markiert den tiefsten Stand seit über zehn Jahren. Ein breites Verbändebündnis legte die alarmierenden Zahlen am Donnerstag in Berlin vor.
Laut dem Bündnis aus Baugewerbe und Gewerkschaften steuert Deutschland auf nur 175.000 bis 195.000 fertiggestellte Wohnungen zu. Hohe Zinsen, explodierende Baukosten und verunsicherte Investoren bremsen den Markt komplett aus. Viele Projekte rechnen sich schlicht nicht mehr.
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Experten des ifo Instituts bestätigen: Die Talsohle ist jetzt erreicht. Die massiven Rückgänge bei den Baugenehmigungen der Vorjahre schlagen nun mit Verzögerung in der Statistik durch.
Eine neue Studie zeigt die soziale Sprengkraft der Krise. Rund 9,9 Millionen Menschen leben in überbelegten Wohnungen – 1,4 Millionen mehr als zu Beginn des Jahrzehnts. Besonders alarmierend: Fast jedes fünfte Kind wächst in einer zu kleinen Wohnung auf.
Der Markt ist in einer „Krisenstarre“ gefangen. Selbst Senioren bleiben in zu großen Wohnungen, weil ein Umzug sie teurer käme. Dieser Effekt blockiert dringend benötigten Raum für Familien.
Die Kosten explodieren. In Großstädten kostet ein Quadratmeter Neubau inklusive Grundstück durchschnittlich 5.400 Euro. Um das zu refinanzieren, wären Kaltmieten von mindestens 18 Euro pro Quadratmeter nötig.
Für Durchschnittsverdiener ist das kaum leistbar. Die Schere zwischen notwendigen Mieten und Zahlungsfähigkeit klafft immer weiter auseinander. Seit der Jahrtausendwende haben sich die Baukosten fast verfünffacht – die Reallöhne stiegen deutlich langsamer.
Als Lösungsansatz diskutiert die Branche den „Gebäudetyp E“ – einfaches Bauen ohne Komfortverzicht bei Sicherheit. Weniger komplexe Haustechnik und reduzierte Standards sollen die Kosten senken.
Gleichzeitig fordern Immobilienverbände eine radikale Deregulierung. Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren bremsen Projekte aus. Zwar stiegen die Baugenehmigungen im Januar leicht, doch Experten mahnen: Mehr Genehmigungen bedeuten noch lange keinen Baubeginn.
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Die Krise ist hausgemacht. Im Vergleich zu Nachbarländern steht Deutschland schlecht da: Polen erwartet 2026 trotz geringerer Einwohnerzahl rund 230.000 neue Wohnungen.
Analysten sehen die Ursache in zu hohen Standards und mangelnden politischen Anreizen. Die Staatsquote am Bau – Steuern, Gebühren, regulatorische Kosten – macht mittlerweile 37 Prozent der Gesamtkosten aus.
Erste vorsichtige Signale gibt es. Die Baugenehmigungen stiegen im Januar leicht, vor allem bei Mehrfamilienhäusern. Analysten gehen davon aus, dass die Fertigstellungszahlen frühestens 2027 wieder spürbar steigen könnten.
Voraussetzung: Die Zinsen müssen stabil bleiben oder sinken, und politische Maßnahmen wie der „Bau-Turbo“ müssen wirken. Bis dahin wird sich die Lage für Mieter voraussichtlich noch verschärfen.
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