Chevron-Chef Mike Wirth hat auf der CERAWeek-Konferenz in Houston eine deutliche Warnung ausgesprochen: Die Ölterminmärkte unterschätzen die physischen Folgen der Hormuz-Sperrung erheblich. Während diplomatische Signale aus Washington die Preise kurzzeitig unter Druck brachten, wächst der reale Versorgungsengpass still weiter.
Wirth zufolge handelt der Markt auf Basis von „spärlichen Informationen" und Wahrnehmungen — nicht auf Basis der tatsächlichen physischen Angebotsknappheit. Öl- und Gaspreise seien zwar seit Ausbruch des Iran-Konflikts um rund 60 Prozent gestiegen, spiegelten aber die realen Engpässe in Asien und anderen Regionen noch nicht vollständig wider.
Besonders deutlich machte Wirth die Lage bei Destillaten wie Diesel und Kerosin. Asien stehe vor ernsthaften Versorgungsproblemen. Selbst wenn die Meerenge wieder öffne, werde der Wiederaufbau der Lagerbestände viele Monate dauern. Katar meldete unterdessen, dass Schäden an seinen LNG-Anlagen rund 17 Prozent der Kapazität vernichten könnten — mit einer Reparaturdauer von bis zu fünf Jahren.
Kurz vor Wirths Auftritt hatte ein Statement von Präsident Trump für Bewegung gesorgt. Trump signalisierte gegenüber CNBC, er sei „sehr entschlossen", einen Deal mit Iran zu schließen, und verschob geplante Angriffe auf iranische Kraftwerke um fünf Tage. Der US-Rohölpreis brach daraufhin an einem Tag um mehr als zehn Prozent ein und schloss bei 88,13 Dollar je Barrel. Chevron und ExxonMobil verloren im vorbörslichen Handel jeweils mehr als zwei Prozent.
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Die Erleichterung hielt nicht lange. Israelische Streitkräfte setzten ihre Angriffe auf Teheran fort, und iranische Offizielle dementierten jegliche Verhandlungen — Trump verbreite „Fake News", um die Preise zu drücken.
Abseits der geopolitischen Turbulenzen unterstrich Wirth die operative Stärke des Unternehmens. Die Permian-Produktion wächst weiter, obwohl nur noch einstellige Bohranlagenzahlen im Einsatz sind. Nur vier Prozent der Upstream-Produktion stammt aus dem Nahen Osten — ein struktureller Vorteil gegenüber Wettbewerbern.
HSBC hat Chevron zuletzt gegenüber ExxonMobil bevorzugt und verweist auf einen ungewöhnlich hohen Bewertungsabschlag von zwölf Prozent beim EV/DACF-Verhältnis für 2026, eine geringere Nahost-Exposition sowie einen höheren Verschuldungsgrad, der bei steigenden Rohstoffpreisen mehr Hebelwirkung bietet. Die Bank zählt Chevrons Gewinn- und Cashflow-Upgrades für 2026 zu den stärksten in ihrem Analyseuniversum.
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Die Internationale Energieagentur hat die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven koordiniert, davon 172 Millionen Barrel aus der US-Reserve. Seit dem 20. März fließen täglich mindestens eine Million Barrel ab. Zusammen mit Umleitungen über alternative Routen durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate bleibt dennoch ein Ausfall von mehr als elf Millionen Barrel täglich ungedeckt. Die Aktie notiert aktuell auf einem neuen 52-Wochen-Hoch — ein Zeichen dafür, dass der Markt die langfristigen Angebotsrisiken trotz kurzfristiger diplomatischer Schwankungen zunehmend einpreist.
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