Eine US-Studie zeigt: Multivitaminpräparate können den biologischen Alterungsprozess leicht verlangsamen. Gleichzeitig warnen Verbraucherschützer vor gefährlichen Inhaltsstoffen in vielen Produkten. Und die EU plant strengere Regeln.
Forscher des Mass General Brigham Krankenhauses veröffentlichten kürzlich überraschende Ergebnisse im Fachmagazin „Nature Medicine“. Ihre Studie zeigt: Die tägliche Einnahme eines Multivitaminpräparats über zwei Jahre hinweg bremste die biologische Uhr älterer Probanden.
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Konkret alterten ihre Zellen pro Jahr etwa 1,4 bis 2,8 Monate langsamer als in der Placebo-Gruppe. Besonders deutlich war der Effekt bei Personen, die zu Studienbeginn bereits eine beschleunigte Zellalterung aufwiesen. Die Wissenschaftler messen den epigenetischen Markern – molekularen Indikatoren für das biologische Alter.
Doch Vorsicht: Die Forscher betonen, dass dies kein Beweis für eine längere Lebensdauer ist. Es handelt sich um einen messbaren Effekt auf Zellebene. Für gesunde Menschen ohne Mangelerscheinungen bleibt die pauschale Einnahme daher umstritten.
Während die Forschung Hoffnung macht, verdüstern aktuelle Meldungen der Verbraucherzentralen das Bild. Diese aktualisierten erst am 11. März ihre Warnlisten und weisen auf illegale und gesundheitsgefährdende Substanzen in Nahrungsergänzungsmitteln hin.
Belgische und polnische Behörden warnten vor Blütenpollen-Präparaten mit leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloiden. In Deutschland wurden Abnehmprodukte vom Markt genommen, die das unzulässige und gefährliche Sibutramin enthielten. Immer wieder tauchen auch pflanzliche Präparate auf, die heimlich verschreibungspflichtige Wirkstoffe wie Sildenafil beigemischt haben.
Mediziner warnen zudem vor den Risiken der Selbstmedikation. Eine Überdosierung mit frei verkäuflichen Mitteln kann langfristig Organschäden verursachen. Fettlösliche Vitamine oder Mineralstoffe wie Kalium belasten in zu hohen Dosen den Stoffwechsel und können sogar Herzrhythmusstörungen auslösen.
Dem Wildwuchs auf dem Supplement-Markt will die EU nun mit schärferen Regeln begegnen. Noch in diesem Jahr sollen EU-weit verbindliche Höchstmengen für kritische Inhaltsstoffe wie Vitamin A, Vitamin D, Selen und Manganeseingeführt werden.
Bisher gab es in Deutschland nur unverbindliche Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung. Die neuen Grenzwerte sollen Verbraucher vor einer chronischen Überversorgung schützen. Ernährungsmediziner begrüßen den Schritt, da der Konsum stetig steigt und viele unbewusst mehrere hochdosierte Produkte kombinieren.
Allein in Deutschland geben Verbraucher jährlich über vier Milliarden Euro für Nahrungsergänzungsmittel aus. Die Regulierung wird viele Hersteller zwingen, ihre Rezepturen anzupassen. Für den Handel bedeutet das eine Umstellung des Sortiments.
Die grundsätzliche Frage bleibt: Braucht die gesunde Bevölkerung diese Präparate überhaupt? Für die meisten Menschen, die sich ausgewogen ernähren, lautet die medizinische Antwort: Nein. Klassische Mangelkrankheiten sind in Industrienationen selten.
Dennoch gibt es klare Ausnahmen. Schwangere benötigen Folsäure, Säuglinge Vitamin D und Veganer Vitamin B12. Auch in den dunklen Monaten kann eine Vitamin-D-Gabe für manche sinnvoll sein.
Der Markt wird jedoch weniger von medizinischer Notwendigkeit als von cleverem Marketing angetrieben. Versprechen von mehr Energie, Stärke oder Fettverbrennung treffen den Nerv einer leistungsorientierten Gesellschaft. Experten raten daher eindringlich: Vor der Einnahme den Arzt konsultieren und den individuellen Bedarf per Bluttest klären.
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Die anstehenden EU-Regeln dürften den Markt kräftig durchrütteln. Branchenbeobachter erwarten eine Konsolidierung. Anbieter, die bisher mit Extremdosierungen warben, müssen umdenken.
Gleichzeitig zeichnet sich ein Trend zur Personalisierung ab. Immer mehr Verbraucher fragen nach maßgeschneiderten Lösungen, die auf ihren individuellen Blutwerten basieren – und nicht nach Breitband-Präparaten nach dem Gießkannenprinzip.
Die Forschung zur biologischen Alterung wird weitergehen. Künftige Langzeitstudien müssen zeigen, ob die verlangsamte Zellalterung tatsächlich in mehr gesunden Lebensjahren resultiert. Für Verbraucher bringt 2026 vor allem eines: mehr Sicherheit durch strengere Gesetze, aber auch die bleibende Pflicht, Werbeversprechen kritisch zu hinterfragen.
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