UniCredit macht ernst. Heute Morgen kündigte die italienische Großbank ein freiwilliges Tauschangebot an, das ihren Anteil an der Commerzbank knapp über die Schwelle von 30 Prozent heben soll — und löste damit eine neue Runde in einem bereits 18 Monate andauernden Tauziehen aus.
Der Hintergrund: Wer in Deutschland mehr als 30 Prozent eines Unternehmens hält, ist nach deutschem Übernahmerecht zu einem vollständigen Pflichtangebot verpflichtet. UniCredit will diesen Mechanismus mit dem jetzt angekündigten Schritt gezielt umschiffen — und sich so freie Hand für weitere Zukäufe am Markt verschaffen. Analysten von Citi werteten den Schritt als cleveren taktischen Zug, der UniCredit künftig mehr Spielraum verschaffe.
Das Angebot selbst ist bewusst knapp kalkuliert. Das implizierte Umtauschverhältnis entspricht rund 30,80 Euro je Commerzbank-Aktie — ein Aufschlag von lediglich 4 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Donnerstag. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp ließ umgehend verlauten, das Angebot entbehre wesentlicher Konditionen und biete den Aktionären keinen nennenswerten Aufpreis. Dennoch legten die Papiere heute rund 7 Prozent zu.
Die Bundesregierung hält an ihrer ablehnenden Haltung fest. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte Ende Februar klar gemacht, dass Berlin die Eigenständigkeit der Commerzbank unterstütze und das Verhalten von UniCredit als unfreundlich betrachte. Ein Ministeriumssprecher bekräftigte heute: Eine feindliche Übernahme einer systemrelevanten Bank sei nicht hinnehmbar. Der Bund hält aktuell noch knapp 13 Prozent an der Commerzbank.
UniCredit-Chef Andrea Orcel signalisierte derweil Gesprächsbereitschaft. Er wolle mit deutschen Politikern in Dialog treten und sei offen für Zugeständnisse, die alle Beteiligten ins Boot holen könnten. Abgeschlossen werden soll das Angebot frühestens im ersten Halbjahr 2027 — vorausgesetzt, alle regulatorischen Genehmigungen liegen bis dahin vor.
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Ausgerechnet aus dem engsten Beraterkreis der Bundesregierung kommt Widerspruch. Die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, sprach sich in der FAZ für eine sachliche Prüfung der möglichen Fusion aus. Grenzüberschreitende Konsolidierungen reflexhaft abzuwehren, sei ökonomisch nicht zu rechtfertigen — gerade weil deutsche Banken im internationalen Vergleich weniger produktiv und damit weniger wettbewerbsfähig seien.
Schnitzer argumentiert zudem, dass eine europäische Bankenfusion die enge Verflechtung zwischen nationaler Politik und Geldinstituten auflockern würde — und damit langfristig den staatlichen Rettungsreflex schwäche. Lokale Standortfragen wie Filialschließungen seien gesamtwirtschaftlich nachrangig gegenüber den Effizienzgewinnen eines stärker integrierten europäischen Bankenmarkts.
Großaktionär Union Investment schloss sich der Linie Schnitzers an und erneuerte seinen Ruf nach echten Gesprächen zwischen beiden Häusern. UniCredit hält derzeit 26 Prozent der Commerzbank-Aktien direkt sowie weitere 4 Prozent über Swap-Kontrakte — und verdiente allein 2025 rund 378 Millionen Euro mit dieser Beteiligung.
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