Palantir steht diese Woche gleich aus zwei Gründen im Rampenlicht: Die Lage im Nahen Osten treibt die Nachfrage nach Verteidigungs-Technologie, und gleichzeitig sortiert das Pentagon seine KI-Zulieferkette neu. Dazu kommen starke Quartalszahlen und ein selbstbewusster Ausblick auf 2026. Doch wie nachhaltig ist dieser Mix aus Politik und Fundamentaldaten?
Ein zentraler Kurstreiber ist eine neue Vorgabe aus Washington: US-Verteidigungsbehörden sollen kommerzielle Aktivitäten mit Anthropic aussetzen. Verteidigungsminister Pete Hegseth bekräftigte öffentlich, dass Auftragnehmer des US-Militärs ebenfalls keine Geschäfte mit Anthropic machen dürfen.
Für Palantir hat das zwei Seiten. Kurzfristig entsteht Aufwand, weil das Unternehmen damit beginnt, Anthropic-Software (Claude) aus den Maven Smart Systems zu entfernen. Gleichzeitig kann sich daraus eine strategische Öffnung ergeben: Wenn das Pentagon bei KI-Anbietern stärker auf „politisch sichere“ Lieferketten achtet, könnten sich die Karten in laufenden und künftigen Programmen neu mischen.
Neben geopolitischem Rückenwind stützt vor allem die operative Entwicklung. Im vierten Quartal sprang der Umsatz im Jahresvergleich um 70% auf rund 1,41 Mrd. Dollar. Der non-GAAP-Gewinn je Aktie stieg um 79% auf 0,25 Dollar und lag damit über den durchschnittlichen Wall-Street-Erwartungen (0,23 Dollar bei 1,33 Mrd. Dollar Umsatz).
Auffällig ist der Schub im US-Kommerzgeschäft: Dort wuchs der Umsatz im Quartal um 137%. Das US-Regierungsgeschäft legte ebenfalls deutlich zu (+66%). Ein weiterer Hinweis auf vollen Auftragseingang: Die verbleibenden vertraglich zugesicherten Erlöse (RPO) kletterten um 143% auf 4,2 Mrd. Dollar, allein 1,6 Mrd. Dollar davon kamen im Q4 hinzu.
Für 2026 setzt das Management noch einen drauf: Erwartet werden rund 60% Umsatzwachstum auf etwa 7,19 Mrd. Dollar. Der US-Kommerzumsatz soll dabei mindestens um 115% auf 3,14 Mrd. Dollar steigen.
Ein Treiber hinter dem Kommerz-Tempo ist die Vertriebsstrategie: Statt langer Enterprise-Verkaufszyklen setzt Palantir auf fünftägige „AIP Bootcamps“, in denen potenzielle Kunden KI-Anwendungsfälle direkt mit eigenen Daten bauen. Laut den genannten Quartalsdaten liegt die Conversion-Rate bei nahezu 75% – und aus Monaten werden teils wenige Tage.
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Das Zusammenspiel aus Wachstumssignalen und geopolitischer Nachfrage hat auch Analysten in Bewegung gebracht. Daiwa Securities und UBS stuften jeweils von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und setzten beide ein 12-Monats-Kursziel von 180 Dollar. UBS verwies dabei auch auf die zuvor deutliche Korrektur vom Hoch, die das Chance-Risiko-Profil wieder attraktiver mache. Aggregiert liegt der Analysten-Konsens (28 Stimmen) bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Ziel von 187,96 Dollar – bei einer sehr breiten Spanne von 45 bis 255 Dollar.
Gleichzeitig bleibt die Bewertung ein Streitpunkt: Laut Quelltext handelt die Aktie bei mehr als dem 100-Fachen der erwarteten Gewinne – ein Niveau, das dauerhaft hohe Wachstumsraten praktisch voraussetzt.
Am Freitag notiert die Aktie bei 138,34 Euro und liegt damit in den vergangenen sieben Tagen deutlich im Plus (+19,11%).
In den kommenden Wochen dürfte vor allem zählen, ob Palantir den Anthropic-Ausstieg in den Maven-Systemen reibungslos umgesetzt bekommt und ob sich die hohe Dynamik im US-Kommerzgeschäft bestätigt – denn genau darauf baut der ambitionierte Umsatzpfad für 2026.
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