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ATX-Trends: Verbund, FACC, Frequentis, Agrana, OMV ...

Die Hängepartie auf hohem Kursniveau an Europas Börsen hat sich am Donnerstag fortgesetzt. Wie schon am Vortag konnten sich die Kurse in London, Paris und Zürich nicht der Rekordjagd an den US-Börsen anschließen. Gewinnwarnungen großer Konzerne sorgen in Europa immer wieder für Verunsicherung und lassen die Investoren in der Abwarteposition verharren. So pendelte auch gestern der EuroStoxx 50 in einer engen Handelsspanne und schloss am Ende 0,1% schwächer, der Handelsverlauf war auch an den anderen großen europäischen Handelsplätzen ähnlich. Wieder sehr stark waren die Öl- und Gaswerte, die von den zuletzt stark zulegenden Rohölpreisen profitieren konnten. Wenig gefragt waren gestern Pharmawerte und Produzenten von Rohstoffen, diese Sektoren entwickelten sich gestern am schwächsten. Reckitt Benckiser konnte gestern 2,5% zulegen, die Beilegung eines Streites mit dem US-Justizministerium wegen verbotener Marketingmethoden für das Kombinationspräparat Suboxone Film mit einer Milliardenzahlung sorgte für Erleichterung bei den Investoren. In der Schweiz waren Aktien des Schokoladenherstellers Barry Callebaut nach einem starken dritten Geschäftsquartal gefragt, das Unternehmen war in den letzten drei Monaten deutlich stärker gewachsen als erwartet und erzielte gestern ein Kursplus von 1,4%. Der deutsche Abfüllanlagenhersteller Krones musste die erwartete Marge um etwa die Hälfte reduzieren und verlor daraufhin 14,5%. Der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer profitierte von einer ungebrochenen Nachfrage von Pharma- und Kosmetikunternehmen, der Aktienkurs schnellte 14,0% nach oben. Fresenius Medical Care konnte dank der Nachricht, dass im US-Gesundheitssystem die Zahl der Transplantationen und häuslichen Dialysebehandlungen für Patienten mit dauerhaftem Nierenversagen mittelfristig deutlich gesteigert werden soll, einen Zuwachs von 3,1% erzielen, das Unternehmen ist laut Ansicht einiger Analysten auf diesen Umstand bestens eingestellt.

Gestern konnte sich die heimische Börse dem europäischen Umfeld nicht mehr entziehen, auch der ATX musste ein leichtes Tagesminus von 0,1% hinnehmen. Unternehmensergebnisse standen gestern wieder einmal im Blickpunkt des Interesses, FACC stand unter merklichem Verkaufsdruck und schloss 9,4% schwächer, der oberösterreichische Flugzeugzulieferer konnte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres den Umsatz zwar leicht steigern, allerdings gaben die Ergebnisse stark nach. Bei Agrana gab es nach der Zahlenpräsentation ein Minus von 1,0%, der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern hatte im ersten Quartal 2019/20 stark mit dem Zuckerpreisverfall zu kämpfen, der Nettogewinn brach deutlich ein. Im Gesamtjahr will Agrana jedoch mehr Umsatz und Gewinn machen, der Ausblick wurde bestätigt. Unterschiedlich verlief der Tag einmal mehr für die Banken, die Bawag musste leicht um 0,3% abgeben, die Erste Group beendete den Handel mit einer nahezu unveränderten Notierung, die Raiffeisen Bank International konnte um 0,6% höher schliessen. Die Ölwerte konnten dank der gestiegenen Rohölpreise wie der Sektor insgesamt in Europa zulegen, OMV schloss 1,3% höher, Schoeller-Bleckmann konnte gestern nicht ganz so viel Profit aus dem Ansteigen des schwarzen Goldes ziehen und legte vergleichsweise bescheidene 0,7% zu. Der Verbund war wieder einmal sehr gefragt, der Versorger belegte mit einem Plus von 2,1% den Spitzenplatz im Leitindex. In einem ruhigen Handel konnte sich auch Frequentis um 1,1% befestigen. Einer der deutlichsten Verlierer war gestern Andritz , der Anlagenbauer musste ohne erkennbaren Grund 3,2% abgeben und rutschte damit auch in charttechnisch gefährliches Terrain.

In den USA wird die mittlerweile als sicher eingepreiste Zinssenkung mit wesentlich mehr Begeisterung aufgenommen als in Europa, auch gestern konnten die Märkte wieder klar zulegen. Der Dow Jones überschritt erstmals in der Geschichte die Marke von 27.000 Punkten, auch der technologielastige Nasdaq 100 erreichte einen neuen Höchststand und nähert sich immer mehr der Marke von 8.000 Punkten. Allerdings bleibt anzumerken, dass die Kurse nach der starken Eröffnung doch einen Teil der Gewinne wieder abgeben mussten. Schlussendlich gab es ein Tagesplus von 0,9% für den Dow Jones, der S&P 500 rückte 0,2% vor und der Nasdaq 100 schloss sogar leicht schwächer mit einem Abschlag von 0,1%. Starke Kursausschläge in beide Richtungen gab es im Gesundheitssektor. Das Weiße Haus hat einen Plan aufgegeben, Rabatte auf Medikamente in US-Gesundheitsprogrammen wie Medicare abzuschaffen. Das sorgte einerseits für Erleichterung bei solchen Unternehmen des Gesundheitswesens, die von diesen Preisnachlässen tendenziell profitieren. Dazu zählen der Krankenversicherer UnitedHealth und der Pharma-Einzelhändler CVS Health, deren Kurse stiegen um 5,5% beziehungsweise 4,7%. Andererseits gerieten die Aktien von Pharmakonzernen unter Druck,  Merck büßte 4,5% ein und Pfizer 2,5%, sie waren die größten Verlierer im Dow. In der zweiten Reihe gaben Aktien von Pharmaherstellern wie Eli Lilly, BioMarin, Regeneron, Alexion und Vertex ebenfalls kräftig nach. Weiter für Aufsehen sorgt T-Mobile US, gestern liessen Gerüchte, wonach sich die Fusion mit Sprint weiter verzögern könnte, die Kurse beider Unternehmen sinken, Sprint rutschte 3,5% ab, T-Mobile US konnte in einem starken Schluss das Minus auf 0,5% begrenzen. Delta Airlines überzeugte mit den Quartalszahlen und hob die Jahresprognosen für Umsatz und Gewinn an, das brachte die Aktie 1,2% nach oben.

Öl tendierte nach dem starken Vortag schwächer, Brent gab 0,7% ab, WTI verzeichnete ein Minus von 0,4%. Gold musste der allgemein positiveren Stimmung etwas Tribut zollen und verbilligte sich auf eine Marke von 1.405 US-Dollar gegen Tagesende. Der Handel zwischen Euro und US-Dollar war wieder einmal vergleichsweise volatil, nach deutlichen Zuwächsen des Euro endete das Währungspaar aber bei einer zum Vortag fast unveränderten Notierung von rund 1,125.



(12.07.2019)



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Mario Tunkowitsch

Research Wiener Privatbank

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