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Das Wort Optimismus hat an Häufigkeit massiv zugenommen (Alois Wögerbauer)

„Fahren Sie auf Sicht. Aber fahren Sie.“ Mit diesem Motto und dieser Emp- fehlung begleiten wir Sie bereits durch das gesamte Bo?rsenjahr 2017. Klassische Vorgangsweise bei der Planung einer Fahrt ist es eine Route vorweg festzulegen. Wichtig ist es aber auch die Bereitschaft mitzubrin- gen von dieser Route abzuweichen – allerdings nur wenn triftige Gru?nde vorliegen. Dabei gilt es aber keine u?bereilten Spontanentscheidungen zu treffen. Besser ist es anzuhalten, die Informationen zu verarbeiten und erst dann eine neue wohlu?berlegte Vorgangsweise festzulegen. In der Geldanlage ist es a?hnlich. Auch hier gilt es sich nicht von den Tagesaktu- alita?ten leiten zu lassen, aber dennoch den Willen mitzubringen neue In- formationen zu verarbeiten und gegebenenfalls in eine Anpassung der Geldanlagestrategie einfließen zu lassen. Wir machen daher in diesem Monatskommentar eine symbolische Ruhepause im Rahmen unserer Fahrt, um die wichtigen Informationen zu verarbeiten und die aktuelle Lage zu bewerten.

Die Wirtschaft

Der Internationale Wa?hrungsfonds hat die Wachstumser- wartungen 2017 fu?r die Weltwirtschaft ju?ngst auf 3,5 % erho?ht. Dies ist durchaus beachtlich, da in den letzten Jahren Erho?hungen der Wachstumserwartungen eine rare Ausnahme waren. Das mediale Echo war – wie meis- tens bei positiven Nachrichten – u?berschaubar gering. Bemerkenswert ist derzeit auch, dass die globale Ent- wicklung vergleichsweise synchron verla?uft. Die USA sind stabil. Im Bereich der Emerging-Markets gibt es viele in- dividuelle Sonderthemen und Entwicklungen aber die Re- gion in seiner Gesamtheit hat sich eindeutig positiv gefes- tigt. Dazu kommt die EURO-Zone mit vielen Stimmungs- Indikatoren auf dem besten Stand seit fu?nf oder sechs Jahren. Mit dem mittlerweile sehr unwahrscheinlichen Sieg von Marine Le Pen bei den Pra?sidentschaftswahlen in Frankreich scheint eine weitere dunkle Wolke mit Po- tential fu?r massive Marktverwerfungen vorbeizuziehen. Eine weitere Verbesserung der Stimmungsindikatoren in der EURO-Zone in den kommenden Monaten ist daher wahrscheinlich. Im Kontakt mit vielen Unternehmen stelle ich fest, dass das Wort Optimismus im Gegensatz zu den Vorjahren an Ha?ufigkeit massiv zugenommen hat. Im Kopf der Anleger erscheint mir diese Schritt fu?r Schritt stattfindende Vera?nderung noch nicht angekommen zu sein. Wenig verwunderlich in der medial vermittelten Welt der zahlreichen Krisenherde.

Der US-Dollar

Viele internationale Analystenha?user haben eine Aufwer- tung des Dollars im Vergleich zum EURO Richtung Parita?t oder mehr auf der Agenda. Wir teilen das nicht. Wir den- ken vielmehr, dass die Abwa?rtsrisiken in den vergange- nen

nen Wochen deutlich zugenommen haben. Die Umset- zungskompetenz von Pra?sident Trump ist u?berschaubar gering. Lieblingsthemen wie beispielsweise die Steuerre- form werden pompo?s angeku?ndigt – der reine und konkret rechenbare Informationsgehalt ist dann aber letztendlich eher gering. Ein Detailblick in die zahlreichen US-Wirt- schaftsdaten zeigt doch da und dort leichte Eintru?bungen auf hohem Niveau. Wenn die Erwartungen hoch sind, dann ist auch das Potential fu?r Entta?uschungen hoch. Die wiederholten Aussagen der Trump-Administration, dass sich alle Aktionen und Ausgaben durch ein ho?heres Wirt- schaftswachstum von selbst finanzieren, werden einem Realita?tstest nur bedingt standhalten.

Im Gegenzug gibt es geringe Erwartungen an die EURO- Zone. Wenn Erwartungen tief sind, dann sind U?berra- schungen leicht mo?glich. Um symbolisch zu u?berspitzen: 2 % Wachstum in den USA wa?ren fu?r die USA eine kleine Entta?uschung und fu?r die EURO-Zone eine kleine Sensa- tion. Der Dollar-Aufwertungsprozess im Vergleich zum EURO du?rfte daher seinen Ho?hepunkt u?berschritten ha- ben. Ob aus dem aktuellen Seitwa?rtstrend ein Abwa?rts- trend wird, bleibt abzuwarten.

Die Zinsen im EURO-Raum

Bald fu?nf Jahre ist es her, dass EZB-Chef Draghi mit sei- ner beru?hmten Rede („Whatever it takes “) die Fu?h- rungsrolle der EZB definiert hat. Wenn die EZB aber im Fru?hherbst 2017 die Strategie fu?r 2018 kommunizieren wird, dann wird man nicht umhinkommen, das Wort Nor- malisierung zu verwenden. Bei einem Wirtschaftswachs- tum von etwa 1,8 % und einer Inflationsrate von ebenfalls um die 1,8 % wa?re es geradezu absurd, das Anleihekauf- programm in der aktuellen Form fortzufu?hren.



(02.05.2017)

Daumen hoch, Positiv, Optimist, optimistisch, gut, besser, Erfolg (Bild: Pixabay/TeroVesalainen https://pixabay.com/de/kaufmann-daumen-hoch-erfolg-hand-2056022/ )


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Alois Wögerbauer

Fondsmanager und Chef der 3 Banken Generali Investment

>> http://www.3bg.at


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