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Warum haben so viele Menschen ein falsches Bild von der Wertpapieranlage? (Robert Wanner)


Immer wieder bin ich mit unterschiedlichsten Menschen im Gespräch über das Thema Geldanlage und welche Rolle Wertpapiere darin spielen.

Über die vielen Jahre, in welchen ich mich mit dieser Thematik beschäftige, ist es für mich ganz selbstverständlich geworden, einen Großteil meines Geldes in Aktien, Anleihen oder Rohstoffe zu investieren. Doch in diesen Gesprächen werde ich oft an meine Anfänge erinnert und welch holpriger Weg es zu Beginn war, eine für mich passende Anlagestrategie zu finden.

Aber warum muss dieser Weg so holprig sein? Wenn ich jetzt über das Thema Geldanlage nachdenke oder mit anderen Menschen darüber spreche, ist es so, als wäre das Thema Geldanlage das Leichteste der Welt. Wie kann etwas so Einfaches zu Beginn doch so schwer sein? Was hat sich seit meinen ersten Tagen als Anleger verändert?

 

Wenn man beginnt sich mit dem Thema Wertpapieranlage zu beschäftigen, gibt es zumeist ein Problem: Man weiß nicht wo und wie man beginnen soll.

Man hat meist schon irgendwo etwas über Wertpapiere gelesen, aber die Informationen, welche über das Internet und die Zeitungen auf einen einprasseln, sind meist eher verängstigend oder verwirrend.

Besonders durch die breiten Medien entstehen für den interessierten Neuling oft komplett falsche Eindrücke, wie Wertpapieranlage aussieht oder aussehen soll.

Heute, viele positive wie auch negative Erfahrungen später, kann ich behaupten, dass Geldanlage für mich "langweilig" geworden ist – und genau so sollte langfristige Geldanlage auch sein. Bei der Geldanlage geht es nicht darum, ständig Angst um sein Geld zu haben oder den Adrenalin-Kick bei großen Gewinnen zu bekommen. Doch wenn man den Medien folgt, könnte man genau das glauben.

Es gibt unzählige wissenschaftliche Studien, welche belegen, dass ein langfristig aufgebautes Aktien/Anleihen Portfolio (z.B. über das monatliche Ansparen eines ETF-Sparplans) eine respektable Rendite erwirtschaftet. Die Zahlen schwanken je nach Beobachtungszeitraum und Aktienanteil von 5 % bis zu 7 % Durchschnittsrendite.

Trotzdem entstehen durch die Medien Trugbilder, welche viele Menschen davon abhalten eine solche langfristige Strategie umzusetzen:

Trugbild Nr. 1: "Wertpapieranlage ist unsicher, weil so viel passieren kann"

Der ängstliche Anleger, welcher sein Geld lieber am Tagesgeldkonto lässt, wird von den tagtäglichen Berichten in den Zeitungen und Social-Media Plattformen dieser Welt verunsichert. Folgt man der ganzen Berichterstattung, könnte man glauben, wir versinken im Chaos und das Leben war noch nie so unsicher wie jetzt.

Darüber kann ich mich nur wundern. Ich bin kein Realitätsverweigerer, aber ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es schon immer Probleme auf der Welt gab. Aber all diesen Problemen zum Trotz gehörte ein Anleger mit einem breit gestreuten Aktienportfolio, gegenüber einem Sparbuch-Sparer, in den letzten Dekaden immer zu den Gewinnern. Dies ist historisch belegt. Natürlich gibt es heftige Rückschläge. Aber solche Rückschläge kann man getrost ignorieren, wenn man in seinen 20ern, 30ern oder 40ern steckt und seine Geldanlage als langfristig betrachtet.

Die Erwartungshaltung darf nicht sein, dass man nie einen Aktie-Crash erlebt. Das werden wir sogar sicher, früher oder später. Die Erwartungshaltung sollte sein, dass man, wenn man die Nerven nicht verliert und durchhält, am Ende aus jeder Krise als Gewinner hervorgeht. Das war historisch gesehen schon immer so und ich wage zu behaupten, dass dies auch weiterhin so sein wird, egal was die Medien behaupten.

Ich werde dann oft gefragt, warum ich mir so sicher bin, dass es nach jedem Aktien-Crash wieder weiter geht. Immerhin könnte ja das ganze System zusammenbrechen.

Die Antwort ist ganz einfach: Niemand kann sich zu 100 % sicher sein, was in der Zukunft passieren wird. Jedoch ist die Geschichte ein guter Ratgeber und Rendite ist nun mal die Belohnung für eingegangenes Risiko.

So gibt es Leute, welche aus Angst vor den Schwankungen am Aktienmarkt gar nicht in Aktien investieren. Sie lassen das Geld lieber am Tagesgeldkonto mit mickrigen Zinsen liegen, in der Erwartung einer vermeintlichen Sicherheit.

So wird aber kein Geld vermehrt – schlimmer noch, ein zu zurückhaltender Anleger wird langfristig zu den Verlierern zählen und wird durch die Inflation seine Kaufkraft verlieren. Dies ist jetzt vielleicht noch nicht bemerkbar. Es ist aber nicht Unwahrscheinlich, dass die Inflation in Zukunft zunimmt und dann ist der Sparbuch-Sparer derjenige, den es am Härtesten trifft.

Trugbild Nr. 2: "An der Börse muss man hohe Risiken eingehen und täglich am Geschehen sein"

Gerade Menschen die sich ein wenig mit Geldanlage beschäftigen und im Internet recherchieren, werden schon das ein oder andere Mal auf Werbung von verschiedenen Online Brokern gestoßen sein, meist von den so genannten CFD-Brokern.

Ich rede von diesen schwachsinnigen Werbungen, in denen das Bild des "erfolgreichen Traders" verkauft wird, welcher mit nur einigen Klicks am Tag seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Er kauft und verkauft, ganz easy so nebenbei, seine Wertpapiere und ist mittels neuester App immer am Laufenden.

Das klingt natürlich unheimlich toll - und wer möchte nicht auch so erfolgreich sein?

So funktioniert Wertpapieranlage jedoch nicht. Jemand der sich von diesen Werbungen blenden lässt, hat meist die Erwartungshaltung, innerhalb kürzester Zeit große Renditen zu erzielen und läuft immer den neuesten Nachrichten hinterher. Was in Wirklichkeit passiert ist klar. Eine sehr hohe Rendite ergibt sich nur aus sehr hohem Risiko und übermäßiges Risiko führt dauerhaft kaum zu Erfolg.

Für langfristigen Vermögensaufbau ist es auch nicht nötig, tagtäglich am Geschehen zu sein und seine Anlage darauf auszurichten. Was heute als großes Drama in den Zeitungen gehandelt wird, ist in wenigen Monaten meist vergessen und Schnee von gestern. Die Medien leben von schlechten Nachrichten und Dramen, doch das Leben ging bisher immer weiter.

Fazit

Wenn mich Leute fragen wie ich meine Geldanlage gestalte, betone ich immer, dass Geldanlage etwas Langfristiges sein muss. Man darf einerseits nicht zu zurückhaltend und risikoscheu sein und andererseits auch nicht dem schnellen Geld hinterher jagen.

Um stetig Vermögen aufzubauen und es gegen die Inflation abzusichern, benötigt man Durchhaltevermögen. Der größte Faktor beim Vermögensaufbau ist die Zeit. Durch die laufenden Erträge und dem Zinseszins können auch kleine monatliche Sparraten, richtig angelegt, mit der Zeit zu einem beachtlichen Betrag anwachsen.

Es gibt heute eine Vielzahl an guten Anlageprodukten, welche es ermöglichen, mit nur einem einzigen Produkt in ein weltweites Aktienportfolio zu investieren. Mit diesen Produkten wird man nie den einen großen Glückstreffer landen, welcher über Nacht reich macht. Aber genauso wenig wird man mit diesen Produkten einen Totalverlust erleiden. Genau das hilft dem etwas zurückhaltenden Anleger und auch er kann damit ruhig schlafen. Man muss nicht sein ganzes Geld in Aktien investieren. Wer sein Kapital aber vor Kaufkraftverlust schützen möchte, kommt um das Thema nicht herum.

Dem "Hochrisikotyp" mag das langweilig erscheinen. Doch langfristige Wertpapieranlage MUSS langweilig sein. Nur jemand der sich bei der Geldanlage langweilt, kann rationale Entscheidungen treffen und langfristig am Ball bleiben.

Wer nicht weiß, wie und wo er mit der Wertpapieranlage startet, findet in meiner Artikelreihe "Die ersten Schritte zur Wertpapieranlage" vielleicht ein paar passende Ratschläge.

Im Original hier erschienen: Warum haben so viele Menschen ein falsches Bild von der Wertpapieranlage?



(10.10.2016)

Sparschwein, Münzen, Geld, sparen, http://www.shutterstock.com/de/pic-116879326/stock-photo-piggy-bank.html , (© www.shutterstock.com)


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