Eine Bochumer Studie zeigt: Wo Religiosität schwindet, nehmen Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen zu. Die Forschenden analysierten dafür globale Daten aus über drei Jahrzehnten.
Das Team der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wertete Daten aus 70 Ländern von 1989 bis 2022 aus. Das Ergebnis ist eindeutig: In Gesellschaften, in denen der Glaube an Bedeutung verlor, stiegen die Raten psychischer Erkrankungen bei Minderjährigen signifikant an. Die Studie nutzte Gesundheitsdaten und den World Values Survey, der kulturelle Werte weltweit erfasst.
„Religiöser Glaube ist ein entscheidender Schutzfaktor“, folgern die Wissenschaftler. Er fördere das Zusammengehörigkeitsgefühl und gebe dem Leben Richtung. Wo dieser Schutzschild fehlt, klafft eine Lücke.
Ein zentraler Befund: Der westliche Trend zu mehr Eigenständigkeit und Individualität in der Erziehung kann Ängste begünstigen. „Gesellschaftliche Erwartungen an Kinder haben sich weltweit erheblich verändert“, erklärt Hauptautor Leonard Kulisch.
Während Gehorsam zurückgedrängt wird, rückt die Autonomie des Kindes in den Vordergrund. Doch dieser Perspektivwechsel hat eine Schattenseite. Die Analyse deutet darauf hin, dass er die Entstehung von Ängsten in westlichen Ländern möglicherweise fördert.
Der Verlust betrifft mehr als nur den Glauben selbst. Mit ihm verschwinden oft stabile soziale Netzwerke und tägliche Routinen. Familien können einsamer werden, wenn die Kirchengemeinde als Treffpunkt wegfällt.
„Diese Faktoren sind zentral für die psychische Gesundheit von Heranwachsenden“, betonen die Forschenden. Es geht also weniger um den Glauben an sich, sondern um die Gemeinschaft und Sinnstiftung, die er bietet.
Die Lösung liegt nicht in einer Rückkehr zu alten Werten, sondern im Schaffen neuer Angebote. Die Wissenschaftler sehen Vereine, Gruppen und zivilgesellschaftliches Engagement als wichtige Alternativen.
Auch Kitas und Schulen sind gefragt: Sie sollten die Gemeinschaft in ihren Einrichtungen gezielt fördern. Die Aufgabe lautet, neue Quellen für Sinn, Halt und soziale Unterstützung zu erschließen – besonders für die junge Generation.
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