Der KI-Boom treibt seltsame Blüten. Während die Welt über Chip-Engpässe diskutiert, hat Alphabet ein ganz anderes Versorgungsproblem — und sucht die Lösung ausgerechnet in China.
Ein Beschaffungsteam aus Googles Taiwan-Geschäft besuchte diese Woche chinesische Hersteller, um Flüssigkühlsysteme für Rechenzentren zu beschaffen. Im Mittelpunkt der Gespräche steht Envicool, ein Shenzhen-basierter Spezialist mit einem Börsenwert von umgerechnet rund 14 Milliarden Dollar, dessen Umsatz in den ersten neun Monaten 2025 um 40 Prozent zulegte. Mindestens ein weiterer Lieferant soll noch kontaktiert werden.
Flüssigkühlsysteme zirkulieren Wasser oder andere Flüssigkeiten direkt um die Serverkomponenten. Bei der enormen Rechendichte moderner KI-Cluster reicht klassische Luftkühlung schlicht nicht mehr aus. Der globale Markt für diese Systeme soll laut Schätzungen von JPMorgan von 8,9 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf über 17 Milliarden Dollar in diesem Jahr anwachsen — eine Verdoppelung innerhalb von zwölf Monaten.
Envicool präsentierte zuletzt auf einer Branchenveranstaltung eine sogenannte Kühlmittelverteilereinheit, die speziell nach Google-Spezifikationen gebaut wurde. Das Unternehmen erwartet außerdem potenzielle Bestellungen für seine CDUs der fünften Generation sowie weitere Komponenten.
Der Schritt ist bemerkenswert — und durchaus heikel. Trotz anhaltender Spannungen zwischen Washington und Peking greifen US-Technologiekonzerne zunehmend auf chinesische Zulieferer zurück. Chinesische Hersteller haben durch den starken heimischen Rechenzentrumsmarkt erhebliche Produktionskapazitäten aufgebaut und dabei Kostenvorteile gegenüber westlichen Wettbewerbern erarbeitet.
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Neben Envicool gehören Lingyi iTech und Feilong Auto Components zu den führenden chinesischen Anbietern im Kühlsegment. Daneben profitieren auch Hersteller optischer Transceiver wie Innolight und Eoptolink sowie Leiterplattenproduzenten von der rasanten Nachfrage rund um KI-Infrastruktur.
Für Alphabet unterstreicht die Reise des Beschaffungsteams, wie weit der Investitionsdruck in der KI-Infrastruktur mittlerweile reicht — weit über den viel diskutierten Chipmangel hinaus.
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