Während der neue Eigentümer ADNOC die Führungsstrukturen für einen globalen Chemie-Giganten zimmert, kämpft Covestro im Tagesgeschäft mit anhaltendem Gegenwind. Für Anleger spielen die trüben operativen Aussichten allerdings kaum noch eine Rolle. Der Blick richtet sich stattdessen voll auf das bevorstehende Ende der Börsennotierung.
An der Börse hat sich das Papier längst von den fundamentalen Unternehmensdaten entkoppelt. Mit einem aktuellen Kurs von 59,58 Euro notiert der Titel knapp über der festgelegten Barabfindung von 59,46 Euro, die die ADNOC-Tochter XRG den verbliebenen Minderheitsaktionären anbietet. Da XRG bereits mehr als 95 Prozent der Anteile kontrolliert, fungiert die Aktie im Vorfeld der entscheidenden Hauptversammlung im April 2026 fast ausschließlich als Arbitrage-Position. Das anstehende Delisting besiegelt das Ende der Eigenständigkeit im DAX-Umfeld.
Abseits des Börsenparketts bleibt die wirtschaftliche Realität angespannt. Die globale Nachfrage erholt sich nicht im erhofften Tempo, während Überkapazitäten und Preisdruck die Margen der gesamten Branche belasten. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 rechnet das Management lediglich mit einem operativen Ergebnis (EBITDA) auf dem Vorjahresniveau von rund 740 Millionen Euro. Damit setzt sich die schwierige Phase fort, nachdem im Jahr 2025 noch ein drastischer Konzernverlust von 644 Millionen Euro in den Büchern stand. Dividenden sind folglich kein Thema mehr.
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Um der Ertragsschwäche entgegenzuwirken, forciert das Unternehmen das Transformationsprogramm "STRONG". Bis 2028 sollen die Kosten jährlich um 400 Millionen Euro sinken, wobei ein Großteil der Einsparungen bereits realisiert wurde. Parallel dazu ordnet der neue Mehrheitseigentümer die Strukturen neu: ADNOC und die österreichische OMV haben in diesen Tagen die Führungsspitze für die neue Borouge Group International (BGI) berufen. In diesem Verbund, der durch die Fusion von Borealis, Borouge und Nova Chemicals entsteht, soll Covestro künftig als zentrale Plattform für Spezialchemikalien agieren.
Der finale rechtliche Akt für den Börsenabschied steht unmittelbar bevor. Auf der Hauptversammlung im kommenden Monat werden die Aktionäre den Squeeze-out-Beschluss fassen, woraufhin die Aktienübertragung und das Delisting formell vollzogen werden. Damit geht die Integration in den neuen arabisch-europäischen Chemieverbund endgültig in die praktische Umsetzungsphase über.
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