Gleich zwei Belastungsfaktoren trafen SAP gestern zusammen — und das Ergebnis war ein Kursverlust von 4,1 Prozent, der deutlichste Rückgang im gesamten DAX.
Auslöser war eine Abstufung durch JP Morgan, die die Stimmung zusätzlich eintrübte. Hinzu kam ein branchenweiter Verkaufsdruck bei Softwareaktien. Im Markt kursiert seit Längerem die Sorge, dass neue KI-Anwendungen bestehende Softwaregeschäftsmodelle unter Druck setzen könnten. Konkret befeuert wurde diese Angst durch neue Produktankündigungen des KI-Unternehmens Anthropic sowie Berichte über neue KI-Werkzeuge bei Amazon.
SAP war kein Einzelfall. Scout24 gaben im DAX um 1,9 Prozent nach, Atoss Software verloren über 5 Prozent, Nemetschek büßte 4,2 Prozent ein. Aus Paris meldete Dassault Systèmes ein Minus von 2,4 Prozent, in London verlor die Sage Group 1,7 Prozent. Der Abgabedruck zog sich durch den gesamten Sektor.
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Reforge — eine KI-Plattform für Produktteams mit über 100.000 Alumni — listet SAP unter seinen Kunden. Das Unternehmen wurde gerade von Miro übernommen, einem Kollaborations-Workspace-Anbieter. Eine direkte Auswirkung auf SAP ist daraus nicht abzuleiten, doch es illustriert, wie aktiv der KI-Markt gerade umgebaut wird — und wie groß der Veränderungsdruck auf etablierte Softwareanbieter ist.
Der übergeordnete Rahmen hilft ebenfalls nicht. Der Iran-Krieg belastet die Stimmung, Ölpreise über 100 Dollar je Barrel schüren Stagflationssorgen, und der Einkaufsmanagerindex für den Euroraum ist im März von 51,9 auf 50,5 Punkte gefallen. Besonders der Dienstleistungssektor zeigt Schwäche.
Für heute Morgen taxiert der Broker IG den DAX rund 1,2 Prozent höher — gestützt durch einen US-amerikanischen 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Konflikts. Ob SAP von einer möglichen Markterholung profitieren kann, hängt aber weniger vom Geopolitischen ab als von der Antwort auf eine grundsätzlichere Frage: Wie glaubwürdig ist das eigene KI-Narrativ noch, wenn Wettbewerber das Tempo vorgeben?
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