Die geplante Sozialreform der Bundesregierung gefährdet massiv private Altersvorsorge. Ab Juli müssen Arbeitslose ihr ETF-Vermögen fast vollständig aufbrauchen, bevor sie staatliche Hilfe erhalten.
Die neue Grundsicherung, die zum 1. Juli 2026 das Bürgergeld ablöst, bedeutet einen radikalen Einschnitt für private Sparer. Die bisherige Karenzzeit von zwölf Monaten fällt komplett weg. Jobcenter prüfen das Vermögen von Antragstellern damit vom ersten Tag an.
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Zugleich sinken die geschützten Freibeträge, das Schonvermögen, drastisch. Künftig gelten gestaffelte Limits: Nur 5.000 Euro für unter 20-Jährige, 10.000 Euro für die 21- bis 40-Jährigen und maximal 20.000 Euro für Personen über 50. Eine vierköpfige Familie kann so lediglich 30.000 Euro behalten – statt bisher 75.000 Euro.
Besonders hart trifft es Anleger mit standardmäßigen ETF-Sparplänen. Diese gelten unter dem neuen Recht als liquide Mittel und nicht als geschützte Altersvorsorge. Im Fall von Langzeitarbeitslosigkeit müssen die Depots über dem Freibetrag zwangsverkauft werden.
Dabei ist der Übergang tückisch: Während des arbeitslosenbezogenen Arbeitslosengeldes I (ALG I) bleiben ETFs unangetastet. Endet dieser Anspruch nach maximal zwölf Monaten, folgt der Wechsel in die Grundsicherung – und damit die Vermögensprüfung. Die Folge: Sparer müssen ihre ETFs auch bei schlechter Börsenlage verkaufen, ohne auf Erholung warten zu können.
Finanzexperten sehen hier einen eklatanten Widerspruch. Jahrelang rief die Politik Bürger zur privaten Vorsorge auf, um die Lücken der gesetzlichen Rente zu schließen. Jetzt bestraft der Staat genau jene, die dieser Aufforderung mit flexiblen ETF-Portfolios folgten.
Verbraucherschützer warnen vor fatalen Anreizen. Wer für schlechte Zeiten vorsorgt, muss sein Erspartes nun zuerst aufbrauchen. Das könnte langfristig die Abhängigkeit vom Staat im Alter sogar erhöhen – und den Sinn privater Vorsorge ad absurdum führen.
Nicht alle Sparformen sind betroffen. Staatlich geförderte Produkte wie Riester-, Rürup-Renten und die betriebliche Altersvorsorge bleiben geschützt. Ihr Kapital ist vor dem Zugriff der Grundsicherung sicher, da es nicht vor Rentenbeginn verfügbar ist.
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Gespannt blickt die Branche auf das geplante Altersvorsorgedepot von Finanzminister Lars Klingbeil, das 2027 starten soll. Es soll höhere Renditen mit staatlichen Zulagen verbinden. Ob es jedoch vor Vermögensprüfungen geschützt sein wird, ist in den aktuellen Entwürfen noch nicht abschließend geklärt.
Bis zum Start der Reform im Juli bleibt wenig Zeit. Finanzberater raten vor allem Freiberuflern, Teilzeitkräften und Beschäftigten in unsicheren Branchen zur Überprüfung ihrer Strategie.
Die Flexibilität standardmäßiger ETFs bleibt zwar attraktiv. Doch ein Teil des Sparbetrags in geschützte Vorsorgeprodukte umzuleiten, kann eine sichere Basis schaffen. Die Debatte im Bundestag läuft noch – Anleger sollten die finalen Beschlüsse, besonders zum Status des Altersvorsorgedepots, genau verfolgen.
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