Der Rüstungselektronikkonzern Hensoldt schwimmt in Aufträgen, kommt aber mit der Produktion kaum hinterher. Während der Auftragseingang im vergangenen Jahr um satte 62 Prozent in die Höhe schoss, fiel das tatsächliche Umsatzwachstum deutlich bescheidener aus. Um diesen massiven Rückstand abzubauen, greift das Management nun tief in die Tasche und forciert eine aggressive Expansionsstrategie.
Die Diskrepanz zwischen Bestellungen und Lieferfähigkeit ist das zentrale Problem des Unternehmens. Einem Gesamtauftragsbestand von 8,83 Milliarden Euro standen zuletzt Erlöse von knapp 2,46 Milliarden Euro gegenüber. Dass die bereinigte EBITDA-Marge mit 18,4 Prozent die eigenen Ziele übertraf, zeugt zwar von einer hohen Profitabilität, ändert aber nichts an den operativen Engpässen. An der Börse wird diese Wachstumsbremse kritisch beäugt: Mit einem Schlusskurs von 78,15 Euro am Freitag notiert das Papier gut 32 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Um den Produktionsstau aufzulösen, verfolgt der Konzern eine zweigleisige Strategie. Anfang März unterzeichnete Hensoldt eine Vereinbarung zur Übernahme des niederländischen Optronik-Spezialisten Nedinsco, der seit Jahren Komponenten für Periskope zuliefert. Parallel dazu laufen fortgeschrittene Verhandlungen zur Erweiterung des Standorts Aalen. Bis 2027 plant das Unternehmen Investitionsausgaben von rund einer Milliarde Euro und will allein im laufenden Jahr 1.600 neue Stellen schaffen.
Diese Kapazitätsgrenzen spiegeln sich auch in der Prognose wider. Für das laufende Jahr 2026 peilt Hensoldt einen Umsatz von rund 2,75 Milliarden Euro an – ein Wert, der etwa zwei Prozentpunkte unter dem aktuellen Analystenkonsens liegt. Trotz der kurzfristig gedeckelten Wachstumsrate positionieren sich Marktteilnehmer angesichts der vollen Auftragsbücher und europäischer Rüstungsprogramme wie der Sky Shield Initiative zunehmend optimistisch:
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Die strukturelle Nachfrage durch aufgestockte europäische Verteidigungshaushalte sichert Hensoldt auf Jahre hinaus ein volles Orderbuch. Ob die massiven Investitionen in den Kapazitätsausbau greifen und sich in beschleunigten Auslieferungen niederschlagen, wird der Markt anhand harter Daten überprüfen. Die erste konkrete Indikation zur operativen Entwicklung im neuen Jahr liefern die Ergebnisse für das erste Quartal, die am 6. Mai 2026 veröffentlicht werden.
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