Hypo: Wer wusste, wann man Anleihen kaufen muss?

Vorweg: Ich fühle mich fachlich eindeutig nicht in der Lage, die "richtige" Antwort für die Hypo parat zu haben. Mir fehlen Fachwissen, Hintergründe, Zahleneinblick und noch einmal Fachwissen. Einzig: Die Antwort hätte schon vor Jahren klar und deutlich ausfallen müssen.

Aber es ist wie es ist und alles andere als gut. Eher zufällig gerate ich über die Facebook-Einträge meiner Freunde immer wieder in Diskussionen. Es gibt ein paar Punkte, die mich einfach aufrütteln, nämlich wenn dieses epochale Versagen fast aller politischen Parteien dann doch wieder den Hedgefonds und Banken generell in die Schuhe geschoben wird. Anbei ein paar Postings, ich nenne keine Namen, es sind jedenfalls Meinungsführer der österreichischen Öffentlichkeit, allesamt bekannt. Manche Ansichten teile ich, andere nicht. Am Beginn steht einer, den ich nenne. Roland Düringer.

"Welche Banken, Finanzinvestoren und Hedgefonds kassierten als Gläubiger seit der Verstaatlichung unsere Steuergelder und werden noch weiter kassieren?"

Weiter auf Facebook:

(poster) "... die zacke nach unten im februar war übre die auswirkung eines Interviews mit Spindelegger, in dem er sagte, die Gläubiger sollen sich beteiligen. Wer damals wusste, dass das sowieso nie ernst gemeint sein kann, konnte in drei Wochen richtig viel Geld verdienen."

(ich) "wusste" unterstellt strafbare handlungen. "davon ausging" ist was anderes. die umsätze waren nicht allzu hoch. reich ist mit diesem bond im chartzeitraum niemand geworden. die höchsten umsätze gab es sogar bei kursen um pari. Du hast völlig recht, dass Politiker und notenbanker leider längst die grössten insider sind

(anderer poster) Das wahre Problem liegt natürlich bei den widerlichen Haftungen (und damit Eingriffen) der öffentlichen Hand in privatwirtschaftliche Strukturen und der resultierenden Machtallokation bei irgendwelchen politischen (und populistischen) Akteuren.

(anderer poster) dass an diesem punkt (kurs 83 war das) viele eingestiegen sind, sieht man am steilen kurs nach oben. und wer: hedgefonds mit starkem hebel ( dann ist der gewinn nämlich auch tatsächlich auch hoch).

(ich) kursanstieg hat nichts mit volumen zu tun. achtung. das ist völlig getrennt zu sehen. unten siehst Du das volumen und das ist das nominale. ich bin kein hedgefondsverteidiger, hab niemals einen gekauft, geleitet oder betrieben, aber das ist einfach eine mutmassung, dass hedgefonds reingegangen sind, das volumen war wie gesagt sehr sehr klein und hat nichts mit dem kurs zu tun

Bleibt die Frage, wer hat gekauft?

Wer hat gekauft? Das ist doch völlig egal*. Ich wars nicht. Es ändert nullkommanichts am Problem, wenn bereits bestehende Schulden den Besitzer wechseln. Zu jedem Käufer gibt es einen Verkäufer. Angst trifft auf Risikobereitschaft. Ganz anders ist die Situation, wenn jemand "Informierter" das ausgenützt hätte. Das ist strafbar. Der Rest ist einfach egal. (Wäre der Staat eigentlich ein Insider gewesen, hätte er selbst gekauft?) Wie gesagt: Es geht um ganz wenig Volumen. Aber die inhaltliche Richtung ist gefährlich. Der Mix aus verstorbenem Landeshauptmann, schwer greifbaren - über mehrere Länder verstreuten - Kreditschuldnern, die sich einen über Österreich runterlachen, einem wohl pekuniär motivitierten Vertriebsapparat bei der Hypo und zeitschindenden überforderten Sanierern, hat das Chaos ausgelöst. Die Hedgefonds und Spekulanten eignen sich aber immer gut als Solo-Bösewichte. Für mich ist es mehr Spekulation, auf das staatliche Pensionssystem zu vertrauen, als amerikanische Aktien zu kaufen. 

(poster) ... Wer kauft gute Gelegenheiten? Ich sehe das ja eher als eine Frage einer ausreichend tiefen wirtschaftlichen Bildung, der Bereitschaft außerordentlich viel seiner freien Zeit in Analyse, Verständnis und das Erkennen wirtschaftlicher und politischer Zusammenhänge zu investieren als die Frage der Höhe des verfügbaren "Spielgeldes". Nur durch diese Eingangshürde sind mMn die meisten "Spieler" von der Teilnahme ausgeschlossen oder können einfach nicht erfolgreich sein. Sehr schade, Chancen gibt es (angesichts der herrschenden Liquiditätsbubble noch aber nicht mehr all zu lange) an jeder Ecke, Nicht reich schlägt arm, sondern aktiv sich bildend schlägt passiv zurückgelehnt."

(*Bei der damaligen Vorzugsaktien-Aktion wünsche ich mir volle Aufklärung, das "riecht" fürchterlich, finde ich. Aber wenn Bonds über die Börse wechseln "so what?")

Hypo: Wer wusste, wann man Anleihen kaufen muss?

Darüber wird diskutiert: Ein Zacken, der keinen Euro Steuergeld kostete



(16.03.2014)



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Christian Drastil
Der Namensgeber des Blogs. Ich funktioniere nach dem Motto "Trial, Error & Learning". Mehrjährige Business Pläne passen einfach nicht zu mir. Zu schnell (ver)ändert sich die Welt, in der wir leben. Damit bin ich wohl nicht konzernkompatibel sondern lieber ein alter Jungunternehmer. Ein lupenreiner Digital Immigrant ohne auch nur einen Funken Programmier-Know-How, aber - wie manche sagen - vielleicht mit einem ausgeprägten Gespür für Geschäftsmodelle, die funktionieren. Der Versuch, Finanzmedien mit Sport, Musik und schrägen Ideen positiv aufzuladen, um Financial Literacy für ein grosses Publikum spannend zu machen, steht im Mittelpunkt. Diese Dinge sind mein Berufsleben und ich arbeite gerne. Der Blog soll u.a. zeigen, wie alles zusammenhängt und welches Bigger Picture angestrebt wird.
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