Der jamaikanische Fußballverein Mount Pleasant steht vor seinem historischen Auftritt im Concacaf Champions Cup vor einem massiven Problem. Bis zu zehn Stammspielern droht das Aus für das Achtelfinal-Hinspiel bei LA Galaxy am Mittwoch – wegen ungelöster Visa-Fragen.
Die Mannschaft kann voraussichtlich nicht in Bestbesetzung nach Los Angeles reisen. Betroffene Spieler haben noch nicht einmal einen Termin für das obligatorische Interview in der US-Botschaft in Kingston erhalten. Der Verein bat den Kontinentalverband Concacaf bereits um diplomatische Unterstützung.
Für Cheftrainer Theodore Whitmore bedeutet das eine drastische Umstellung. Beim Hinspiel im Dignity Health Sports Park muss er voraussichtlich auf sieben oder acht Nachwuchsspieler zurückgreifen. Darunter sind Talente, die erst vergangene Woche für Jamaikas U20-Nationalmannschaft spielten.
„Ein über Jahre aufgebautes Projekt wird durch bürokratische Hürden gebremst“, kritisieren Vereinsvertreter. Eine faire Auseinandersetzung auf Top-Niveau sei so kaum möglich.
Die eigentliche Ursache liegt in aktuellen politischen Richtlinien der USA. Besonders schwer betroffen sind die haitianischen Profis im Kader. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat für Bürger des Karibikstaates strikte Reisebeschränkungen erlassen.
Zu den betroffenen Leistungsträgern gehören Mittelfeldspieler Daniel Saint-Fleur und Johnson Jeudy sowie Angreifer Rafa Intervil, Clifford Thomas und Angelo Exilus. Auch etwa fünf jamaikanischen Spielern fehlen die notwendigen US-Visa.
Für Mount Pleasant ist die Teilnahme am Concacaf Champions Cup der Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Das Team qualifizierte sich im Dezember 2025 durch den Gewinn des Concacaf Caribbean Cups. Im Finale besiegte es Universidad O&M FC aus der Dominikanischen Republik.
LA Galaxy hingegen kämpfte sich knapp durch die erste Runde. Gegen Sporting San Miguelito aus Panama setzten sich die US-Amerikaner nur dank der Auswärtstorregel durch. Das Rückspiel findet am 19. März im National Stadium in Kingston statt.
Die Visa-Probleme sind symptomatisch für karibische Vereine in internationalen Wettbewerben. Mannschaften, die auf Spieler aus der Region setzen, kämpfen bei Auswärtsspielen in Nordamerika regelmäßig mit diplomatischen Barrieren.
Ähnliche Erfahrungen machte bereits der jamaikanische Klub Cavalier FC gegen Teams wie den FC Cincinnati und Inter Miami. Experten fordern, dass der Verband künftig stärker diplomatische Korridore für Sportler schafft. Sonst droht eine Wettbewerbsverzerrung, bei der Spiele an Botschaftsschaltern entschieden werden.
Für das Hinspiel in Los Angeles muss sich Mount Pleasant auf eine Abwehrschlacht einstellen. Das Ziel: Mit der dezimierten Mannschaft ein erträgliches Ergebnis halten. Sollte das gelingen, ruhen alle Hoffnungen auf dem Rückspiel vor heimischem Publikum.
Dort kann Whitmore wieder auf seinen kompletten Kader zurückgreifen – in Jamaika gelten keine Einreisebeschränkungen für die eigenen Spieler. Unabhängig vom sportlichen Ausgang dürften die Visa-Probleme weitreichende Diskussionen im Verband auslösen. Die Regularien für panamerikanische Turniere stehen auf dem Prüfstand.
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