Bayer steht dieser Tage vor einem ungewöhnlich dichten Programm: Innerhalb weniger Wochen fallen wichtige Entscheidungen im jahrelangen Roundup-Rechtsstreit, die Jahresergebnisse 2025 liegen auf dem Tisch – und Insider greifen bei der eigenen Aktie zu. Für den Konzern könnte der März 2026 zum entscheidenden Zwischenfazit werden.
Am 4. März erteilte der 22nd Judicial Circuit Court of Missouri dem vorgeschlagenen Roundup-Sammelvergleich eine vorläufige Genehmigung. Das Volumen beläuft sich auf bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar und soll den überwiegenden Teil der rund 65.000 offenen Klagen beilegen. Kläger werfen dem Unkrautvernichter Glyphosat einen Zusammenhang mit Non-Hodgkin-Lymphomen vor.
Die Zahlungen sind auf bis zu 21 Jahre gestreckt und sollen künftige Schadensersatzforderungen deckeln. Innerhalb von zehn Tagen muss Bayer 500 Millionen Dollar in einen Verwaltungsfonds einzahlen. Betroffene Kläger haben bis zum 4. Juni Zeit, dem Vergleich zu widersprechen.
Allerdings knüpfte CEO Bill Anderson die Tragfähigkeit des Deals an eine Beteiligung „sehr nah" an 100 Prozent. Liegt die Teilnahmequote zu niedrig, kann Bayer die Vereinbarung kündigen. Parallel dazu prüft der US Supreme Court, ob Klagen wegen fehlender Warnhinweise auf dem Glyphosat-Produkt durch Bundesrecht präemptiert werden – mit mündlichen Verhandlungen am 27. April und einer erwarteten Entscheidung im Juni. Die abschließende Fairness-Anhörung folgt am 9. Juli 2026.
Der Konzernumsatz 2025 lag bei 45,6 Milliarden Euro, währungsbereinigt ein Plus von 1,1 Prozent. Das EBITDA vor Sondereinflüssen sank um 4,5 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis je Aktie um 2,8 Prozent auf 4,91 Euro. Unter dem Strich steht ein Nettoverlust von 3,6 Milliarden Euro – verursacht durch hohe Sonderaufwendungen für Rechtsfälle.
Der freie Cashflow brach um 32,9 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro ein. Die Nettofinanzverschuldung sank zum Jahresende 2025 auf 29,8 Milliarden Euro, ein Rückgang von 8,5 Prozent gegenüber Ende 2024. Für das laufende Jahr erwartet Bayer jedoch, dass die Schulden durch Rechtszahlungen von rund 5 Milliarden Euro wieder auf 32 bis 33 Milliarden Euro steigen. Die vorgeschlagene Dividende bleibt mit 0,11 Euro je Aktie unverändert.
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Für 2026 rechnet Bayer mit einem Umsatz von 45 bis 47 Milliarden Euro, gleichzeitig aber mit einem negativen freien Cashflow von minus 1,5 bis minus 2,5 Milliarden Euro – ein klares Zeichen, dass die Rechtslasten das operative Geschäft noch längere Zeit belasten werden. Das laufende Kostensenkungsprogramm „Dynamic Shared Ownership" soll Einsparungen von zwei Milliarden Euro bringen und die Belastung mittelfristig abfedern.
Dass zwei Führungskräfte nach der Jahresprognose und dem Roundup-Meilenstein eigene Aktien gekauft haben, dürfte manchen Beobachter zumindest aufhorchen lassen. Die Aktie notiert derzeit rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 49,17 Euro und hat im vergangenen Monat knapp 17 Prozent verloren.
Aus der Pipeline kamen auf dem Europäischen Radiologiekongress in Wien neue Phase-III-Daten zu Gadoquatrane, einem MRT-Kontrastmittel mit reduzierter Gadolinium-Dosis. Die Ergebnisse zeigen vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit bei 60 Prozent geringerer Dosierung gegenüber etablierten Mitteln. Zulassungsanträge laufen in den USA, der EU, Japan und China.
Entscheidend für das weitere Kursbild wird die Teilnahmequote im Roundup-Vergleich sowie das Supreme-Court-Urteil, das im Sommer erwartet wird. Fällt beides zugunsten Bayers aus, dürfte sich ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor auflösen – der Konzern hätte dann erstmals seit Jahren eine halbwegs klare juristische Perspektive.
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