Die BlackRock-Aktie sackt am Freitag zeitweise um 6,65 Prozent auf 960,81 Dollar ab. Der weltgrößte Vermögensverwalter muss erstmals Auszahlungen aus einem seiner wichtigsten Private-Credit-Fonds begrenzen – ein Warnsignal für den gesamten 1,8 Billionen Dollar schweren Markt.
Im HPS Corporate Lending Fund, einem 26 Milliarden Dollar schweren Flaggschiff-Fonds, haben Investoren im ersten Quartal 2026 Rücknahmeanträge über 1,2 Milliarden Dollar gestellt – das entspricht 9,3 Prozent des Nettovermögens. BlackRock wird jedoch lediglich 620 Millionen Dollar auszahlen, da die vertragliche Obergrenze von fünf Prozent pro Quartal erreicht ist. Seit der Auflegung des Fonds ist dies das erste Mal, dass die Nachfrage nach Auszahlungen das festgelegte Limit übersteigt.
Die Begründung des Managements: Erzwungene Notverkäufe von Vermögenswerten zu ungünstigen Konditionen sollen vermieden werden. Ein technisch korrektes Argument, das aber die Nervosität der Investoren kaum beruhigen dürfte. Besonders brisant: Neue Mittelzuflüsse lagen mit 840 Millionen Dollar deutlich unter den ursprünglichen Rücknahmewünschen.
BlackRock steht mit diesem Problem nicht allein da. Erst diese Woche musste Konkurrent Blackstone die übliche Rücknahmegrenze bei einem 82 Milliarden Dollar schweren Fonds von fünf auf sieben Prozent anheben und gemeinsam mit Mitarbeitern 400 Millionen Dollar investieren, um alle Auszahlungswünsche erfüllen zu können. Blue Owl kaufte im Januar 15,4 Prozent eines seiner Fonds zurück.
Das strukturelle Problem: Diese Business Development Companies sammeln Geld überwiegend von vermögenden Privatanlegern und vergeben damit Kredite an mittelständische Unternehmen. Diese Darlehen lassen sich jedoch nicht schnell verkaufen – eine gefährliche Kombination, wenn viele Investoren gleichzeitig ihr Geld zurückfordern.
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Die Stimmung hat sich in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt. Konkurse eines US-Autoersatzteilherstellers und eines Subprime-Autokreditgebers im Jahr 2025, dazu der Zusammenbruch eines britischen Hypothekengebers erst letzte Woche – all das nährt Zweifel an den Kreditvergabestandards der Branche.
Die Liquiditätsprobleme treffen BlackRock in einer strategisch heiklen Phase. Im Juli 2025 schloss das Unternehmen die Übernahme von HPS Investment Partners für zwölf Milliarden Dollar ab, um massiv in Private Credit zu expandieren. Das Ziel: Bis 2030 sollen 400 Milliarden Dollar an Vermögen in Privatmärkten verwaltet werden.
Aus dem aktuellen Quartalsbericht geht hervor, dass 19 Prozent des HLEND-Portfolios in Software-Unternehmen investiert sind – ausgerechnet ein Sektor, der derzeit unter massivem Druck steht, weil Investoren Disruption durch KI-basierte Startups befürchten. BlackRock selbst verweist zwar auf eine Liquidität von über 4,4 Milliarden Dollar im betroffenen Fonds und betont, dass Phasen erhöhter Unsicherheit historisch attraktive Einstiegsgelegenheiten böten. Die Marktreaktion zeigt jedoch, wie sensibel Anleger auf Liquiditätsengpässe in illiquiden Anlageklassen reagieren – selbst bei einem Konzern mit 14 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen.
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