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Auf der Couch - u.a. mit Allgeier, Fabasoft, Technotrans, Renault, Sto, ... (Andreas Kern)

Manchmal möchte man es sich als Anleger auf der berühmten Psychologen-Couch bequem machen. Obwohl die Aktie als Langfristanlage fast alle anderen Asset-Klassen schlägt, sorgen kurzfristige Schwankungen doch immer wieder für ein Wechselbad der Gefühle: Gier, Angst, Verunsicherung, Euphorie – wer kennt diese Emotionen nicht? 

Selbst erfahrene Börsianer können sich davon kaum freimachen, und das hat einen einfachen Grund: Emotionen sind menschlich. Dafür sind Algorithmen zwar nicht anfällig, sie erzielen aber über Momentumseffekte mühelos eine vergleichbare Ansteckung. Die Gleichung „emotionslos = erfolgreich“ stimmt daher so nicht bzw. nicht immer.

Ernte oder Aussaat?

Nun biegt das emotionsreiche Börsenjahr 2020 mit dem Start in das vierte Quartal bereits auf seine Zielgerade ein. Nachdem der ungeliebte September überstanden ist, erwartet uns schon bald die obligatorische Frage nach der Jahresendrally. Deren Beantwortung dürfte dieses Jahr allerdings besonders schwerfallen: US-Präsidentschaftswahl, Gefahr eines harten Brexits und über alldem schwebt die Drohung neuer Corona-Lockdowns. Mit Volatilität ist also auch weiterhin zu rechnen. Dabei treffen Gewinnmitnahmen von Anlegern, die vermutlich im Corona-Crash mutig zugegriffen haben, auf Investoren, die den Anstieg größtenteils verpasst haben und die nun zunehmend unter Renditedruck stehen. Während also die einen allmählich die Ernte einfahren, beginnen andere gerade erst mit der Aussaat.

Tanz mit der Volatilität

Eine hohe Schwankungsbreite dürfte durchaus im Sinne von Dirk Middendorf ( carpediem7 ) sein. Das von ihm gemanagte wikifolio Carpe diem Aktientrading ist dabei auf deutsche Nebenwerte ausgerichtet, bei denen aufgrund der geringeren Handelsumsätze selbst kleinere Kauf- und Verkaufsaufträge größere Kursschwankungen auslösen können. Diese versucht Middendorf zum Beispiel bei seinen Swing-Trades zu nutzen. Auch klassisches News- und Rebound-Trading gehört zu seinem täglichen Handwerkszeug. In Frage kommen für ihn vor allem fundamental unterbewertete Aktien, die oftmals nicht im Fokus institutioneller Anleger stehen. Zurzeit setzt er auf den IT-Dienstleister Allgeier , den Dämmstoffhersteller Sto sowie den High-Tech-Maschinenbauer Technotrans . Auf Jahressicht liegt Middendorfs wikifolio über 38 % im Plus. Seit der Auflage im August 2014 summiert sich die Gesamtrendite sogar auf +197 %.

Die Panik der anderen

Selbst erfahrene Anleger haben mit Emotionen ihre liebe Not. In der Regel bewegen sie sich zwar irgendwo im Spektrum zwischen Gier und Panik, gelegentlich werden sie aber auch von diesen Extremen erfasst. Daraus resultieren Übertreibungen in beide Richtungen. So sieht es zumindest Walter Peters ( riu ). Im wikifolio Riu Trading schaut er sich vor allem Aktien an, die in Folge starker Kursschwankungen – egal in welche Richtung – antizyklische Chancen versprechen. Da die jeweiligen Titel nur einige Minuten bis maximal wenige Tage im wikifolio verbleiben, lässt sich diese Strategie durchaus mit dem weit verbreiteten Rebound-Trading vergleichen. Peters weiß, dass Disziplin der Schlüssel zum Erfolg ist. Verluste sollen daher ebenso wie die Zahl der Depotpositionen konsequent begrenzt werden. Auch an fallenden Indizes versucht er mit dem Kauf von Short-ETFs zu partizipieren. Zuletzt kaufte Peters Aktien des französischen Autobauers Renault . Die hohe Cash-Quote ist übrigens nicht Ausdruck von Pessimismus, sondern ein typisches Merkmal Trading-orientierter wikifolios. Die erzielte Durchschnittsrendite liegt bei eindrucksvollen +19,6 % pro Jahr.

Die Börsenwellen glätten

Während Trader eine hohe Volatilität meist schätzen, blickt Nicolas Oehl ( QubeInvestment ) aus einem anderen Blickwinkel auf derartige Kursschwankungen. Ihm geht es darum, solche Schwankungen in seinem wikifolio QI Minimum Volatility Germany zu minimieren. Deshalb hält er Ausschau nach Titeln, die in ihrer Gesamtheit zu einer möglichst geringen Schwankungsbreite führen. Ziel ist es, im Vergleich zur Benchmark DAX eine Outperformance bei gleichzeitig geringerer Volatilität zu erzielen. Wie der Name des wikifolios bereits verrät, liegt der Anlageschwerpunkt auf dem deutschen Aktienmarkt. Unter den Top-Holdings befinden sich aktuell der in den SDAX aufgestiegene IT-Dienstleister Secunet , das österreichische Cloud-Software-Unternehmen Fabasoft und der IT-Healthcare-Spezialist Nexus . Den Corona-Crash aus dem Frühjahr hat Oehl mit seinem wikifolio inzwischen komplett ausgebügelt. Eine Zwölf-Monats-Performance von +23 % ist hierfür der beste Beweis. Insgesamt liegt das im Juni 2016 aufgelegte wikifolio inzwischen mehr als 77 % vorne.

Was kommt?

  • Das sollten Anleger in der nächsten Woche im Auge behalten

Neue Konjunkturdaten erwarten uns am Montag, wenn die deutschen und europäischen Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor veröffentlicht werden. Zudem könnten die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone neue Hinweise auf die erhoffte Konjunkturerholung liefern. In den USA wird ebenfalls am Montag der wichtige ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe veröffentlicht. Auf Unternehmensseite herrscht dagegen derzeit noch die Ruhe vor dem Sturm. Die Berichtssaison zum dritten Quartal startet dann planmäßig Mitte Oktober.

Im Original hier erschienen: Schwerpunkt der Woche: Auf der Couch



(06.10.2020)

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Andreas Kern

Gründer wikifolio.com

>> https://www.wikifolio.com/de/de/blog


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