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Risiko bei Geldanlage verstehen (Thomas Vittner)

Nur keine Veränderungen lautet das Motto vieler Menschen! Alles soll nach Plan laufen. Ein großer Teil dieser Lebensplanung befasst sich mit dem Thema Arbeit. Fast jeder wünscht sich einen sicheren Job, womöglich einen, bei dem man damit rechnen kann, im selben Unternehmen wo man anfängt gleich auch in Pension zu gehen. Doch solche Jobs gibt es heute nur noch selten, denn die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren von Grund auf verändert. Doch aller Planung zum Trotz müssen wir uns mit einem arrangieren: mit einer unbekannten Zukunft. Damit, dass das Leben Überraschungen für uns bereithält und damit, dass wir vieles nicht planen können, so sehr uns das auch aus der Bahn werfen kann.
(Kontrolliertes) Risiko kann etwas gutes sein

Warum mögen wir Stabilität und verabscheuen das Risiko, auch wenn jedes Wagnis enorme Chancen bietet? Weil wir durch diese Routinen ein Gefühl der Sicherheit entwickeln und unsere Angst vor dem Unbekannten somit etwas mildern können. Weil wir Sicherheit als elementares Bedürfnis unserer Existenz verstehen. Doch diese Risikoaversion muss nicht immer von Vorteil sein, denn gerade an der Börse sorgen Ängste für viele verlorene Renditechacnen.

Die Bedürfnispyramide

Zum Thema Sicherheit hat sich Abraham Maslow bereits im Jahr 1943 einige Gedanken gemacht und seine berühmte Bedürfnispyramide entwickelt.

Abraham Maslow beschreibt in diesem Modell fünf Stufen von Bedürfnissen.

Stufe 1. Körperliche Existenzbedürfnisse: Atmung, Schlaf, Nahrung, Wärme, Gesundheit, Wohnraum, Kleidung, Sexualität, Bewegung
Stufe 2. Sicherheit: Recht und Ordnung, Schutz vor Gefahren, festes Einkommen, Absicherung, Unterkunft
Stufe 3. Soziale Bedürfnisse: Familie, Freundeskreis, Partnerschaft, Liebe, Intimität, Kommunikation
Stufe 4. Anerkennungsbedürfnisse: Höhere Wertschätzung durch Status, Respekt, Anerkennung (Auszeichnungen, Lob), Wohlstand, Geld, Einfluss, private und berufliche Erfolge, mentale und körperliche Stärke
Stufe 5. Selbstverwirklichung: Individualität, Talententfaltung, Perfektion, Erleuchtung, Selbstverbesserung

Die ersten drei Stufen der Pyramide (und Teile der vierten) nennt man auch Defizitbedürfnisse. Diese Bedürfnisse müssen befriedigt sein, damit man zufrieden ist, aber wenn sie erfüllt sind, hat man keine weitere Motivation, diese zu befriedigen (wenn man nicht mehr durstig ist, versucht man nicht mehr zu trinken).

Ein Maler zeichnet zur Selbstverwirklichung; sein Bedürfnis nach Kreativität ist nicht nach einer bestimmten Anzahl Bildern gestillt. Ein Mensch hat Erfolg gehabt (Musiker, Anwalt, Sportler, Trader) und möchte diesen Erfolg immer wieder übertreffen.

Diese Pyramide ist so zu verstehen, dass die menschlichen Bedürfnisse von unten nach oben erfüllt werden müssen. Das Fundament ganz unter – Stufe 1 – das sind jene Bedürfnisse, die wir fürs nackte Überleben brauchen. Luft zum Atmen, Wasser, Nahrung. Aber bereits in Stufe 2 steht unser Bedürfnis nach Sicherheit. Das ist der Grund, warum uns, nach der Erhaltung der eigenen Existenz die Sicherheit so wichtig ist und warum wir einen Job ausüben, den wir nicht mögen.

Renditechancen an den Börsen sind immer vorhanden, man muss sie nur systematisch nutzen

An der Börse beobachten wir ähnliche Verhaltensweisen. Anleger scheuen das Risiko. Anleger suchen Gewissheit und gehen damit oft Gurus auf den Leim, die das Blaue vom Himmel versprechen. Aber es gibt keine Gurus. Und Sicherheit existiert an den Märkten nicht, egal ob Sie stundenlang Charts analysieren, dutzende Fachbücher lesen oder Unternehmensbilanzen studieren. Die Zukunft ist ungewiss, egal wie viel Arbeit Sie in Ihre Analysen stecken. Natürlich ist die Risikobereitschaft auf dem Globus unterschiedlich verteilt. Während wir Europäer bei der Geldanlage sehr konservativ vorgehen, ist der Börsenhandel in den USA viel stärker in der Bevölkerung verankert. Generell geht der Amerikaner mehr unternehmerische Risiken ein, weil es gesellschaftlich akzeptiert ist und über Generation so weitergegeben wird.

In Asien hingegen, wo wir mit moomoc auch unsere Geschäfte machen, ist die Mentalität hingegen wieder ganz anders. Dort liebt man den spielerischen Zugang zu den Märkten. Dort gambelt man wirklich, ohne Rücksicht auf Verluste. Die Rechnung hat man in China im Jahr 2015 präsentiert bekommen, als der Aktienmarkt dort, der von wilden Spekulation (auf Kredit) zuerst nach oben getrieben wurde, dann in einen 40%igen Drawdown lief, von dem man sich bisher nicht einmal ansatzweise erholt hat.

Sicherheit bei Geldanlage muss anders verstanden werden

So oder so müssten sich aber alle Menschen damit abfinden, dass die Börsen keine Sicherheiten bieten können. Bestimmt kann ich kluge Entscheidungen treffen, was meine Investments anbelangt. Auch unsere Experten bei moomoc arbeiten mit Analysen, genau genommen mit statistischen Handelsmodellen. Aber wir wissen, dass, je nach gewählter Strategie, nur etwas mehr als 50% unserer Trades Gewinner werden. Und das stört uns nicht, weil wir ebenso wissen, dass dies aus statistischer Sicht eben genau so zu erwarten ist.

Gerade ein technisch orientierter Anleger muss im Tagesgeschäft sein Gehirn ausschalten. Vor der Positionseröffnung (zu) lange nachdenken, hilft nichts. Sie brauchen einen Plan. Im Idealfall einen, der statistisch gesehen Ihnen einen Vorteil bietet. Wenn nun ein Kaufkandidat aufpoppt, dann gibt es kein Zögern. Rein in das Geschäft und aus, egal, was das Bauchgefühl oder Analysten gerade sagen, ob Trump nun Präsident werden könnte oder ob sich UK nach dem Brexit als neuere Bundesstat den USA anschließen könnte (das war jetzt absichtlich ironisch).

Der Börsenhandel ist der richtige Umgang mit Wahrscheinlichkeiten. Egal ob Sie lang- oder kurzfristig agieren. Sicherheiten existieren dabei keine, auch wenn wir es uns wünschen. Haben Sie das verinnerlicht, ist es ein weiteres Mosaikstück, erfolgreiche Geldanlage in der Praxis zu verstehen.



(12.07.2016)

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Thomas Vittner

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