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E.On, RWE: Der Eine erzeugt Energie, der Andere verteilt sie. Basta. (Wolfgang Matejka)

Die Sonne scheint ja doch wieder auf die Börsen herab und die zarten Pflanzen steigender Kurse erfreuen wieder Investor(inn)en. Der Frühling ist wieder zurück und man merkt, dass die Begehrlichkeiten und die Fantasie damit auch steigen. Ganz nach dem Motto „wer bremst verliert“ sehen wir seit kurzer Zeit strategisch wichtige und von höherem Selbstbewusstsein getragene Unternehmensumstrukturierungen, -verschmelzungen oder –akquisitionen.

So haben sich zum Beispiel die zwei großen deutschen Versorger wirklich ernsthafte Gedanken gemacht und stellen sich komplett neu auf. Voneinander erkennbare Abgrenzung ohne dabei den historisch erarbeiteten USP gänzlich über Bord zu werfen. Und das Alles ohne überlagertes Diktat der heimischen Politik. Der Eine erzeugt Energie, der Andere verteilt sie. Basta.

Und während sich die halbe Welt noch fragt, wie es denn mit Strafzöllen, Antidumpinggesetzen oder sonstigen wirtschaftlich umfärbten Politdrohungen weitergeht, reagieren Unternehmer bereits auf Ihre Art. In den USA sieht man dies besonders gut. Das Argument vom „Schützen der Sicherheit der USA“ noch im künstliche erzürnten Ohr, macht sich inzwischen in einer der Kernkräfte der US-Wirtschaft eine Mega-Fusionitis breit. Die Halbleiterindustrie kämpft um die inneren Machtpositionen am Globus. So hatte ja Broadcom (Singapur) vor einigen Wochen ein Übernahmeangebot für Qualcomm (USA) gemacht die wiederum NXP (NL) schlucken wollen. Jetzt rappelt sich Intel (USA) auf, schüttelt den Staub der zuletzt eingestandenen Fehlprozessoren elegant ab und signalisiert Broadcom selbst ein Übernahmeangebot. Die paar Milliarden Dollar mehr, who cares? Darunter, als fast schon lustiges Kammerspiel, spielt es sich um Unternehmen wie Infineon, ST Microelectronics, Dialog Semiconductor oder auch unsere austriamicrosystems in selber Tonart ab. Pacific Rim am Börsenterminal. Fantasie quasi täglich Brot. Bierdeckelstapeln als Training on the Job.

Doch das alles ist noch lange nicht auf diese beiden Branchen beschränkt. Während sich die USA bereits im Klaren sind, dass man mit dem antiquierten Ansatz der Festnetz-Sprachtelefonie selbst gegen die kleinste chinesische Provinz keine Chance mehr hat und deswegen ein landesweites Aufrüsten auf die modernste Technologie, das 5G-Modell, beschlossen hat, gilt es diese Bewegung in Europa erst zu festigen. Der Grund ist, dass die USA ihren Companies das Investment einmal abnehmen um es danach zu lizenzieren, und in Europa alle Unternehmen selbst agieren müssen. Der Schritt in USA ist logisch, denn dort gibt es gerade drei große Mobilfunkbetreiber, und dieses Oligopol stört Keinen. In Europa tummeln sich dagegen rund 200 (!) Telekom-Firmen herum und agieren auf dem liberalen Ansatz („jeder darf ins gleiche Netz“) naturgemäß vorsichtiger was exzessive Investments betrifft. Weil klar, warum soll ein Großer permanent seine kleinere Konkurrenz mitfinanzieren? Der Effekt wird sein, dass sich anhand dieser Investmentbarrieren nur mehr wirklich Kräftige 5G leisten werden können und bevor die Politik noch reagiert, diese Großen einfach die Kleinen, und somit Kunden, kaufen werden. Konsolidierung aus Notwehr möchte man meinen.

Doch noch lange nicht zu Ende in der Kaskade. Denn bei Versicherungen herrscht ein noch viel rauerer Ton. Europas rund 300 (!) Assekuranzen bilden alle im Detail verschiedene Modelle ab, werden aber, erraten, wie die Banken unter denselben Glassturz gesteckt. Etliche können sich das ganze regulative Formular- und Administrationsgebirge einfach nicht mehr leisten. Die Flucht unter die starken Arme eines Versicherungsriesen ist da nur logisch. Banken dagegen haben zwar noch das nationale Mascherl um ihren Hals hängen, und in der Tat sind Banken, Bier und Fußballmannschaften nach wie vor die „chauvinistischsten“ Marken, aber dies schützt sie immer weniger vor Wettbewerb gegen große Nachbarn. Und wer glaubt, jetzt sei Schluss braucht nur ums Eck auf die Immobilienfirmen zu blicken und erkennen, was da seit Jahren los ist und noch immer an Konsolidierungspotential läuft.

Der einzige Weg sich vor pauschalen Übernahmen oder besser gesagt Vereinnahmungen zu schützen ist und bleibt daher die erfolgreiche Individualität. Nur das, was man alleine kann und andere nicht, oder das was man alleine erfolgreich macht, weil es für andere zu klein ist, hat in diesem Umfeld der Größe und pauschalen Marktmacht eine Chance.

Also doch: wer bremst verliert.



(13.03.2018)

Wie in der Grafik ersichtlich wurde über die EXAA im Jänner und Februar diesen Jahres (Im Gegensatz zu den Vormonaten) mehr Energie nach Deutschland exportiert als importiert. Deutschland hatte in dieser Zeit mehr Energiebedarf und österreichische Erzeuger konnten ihren Überschuss exportieren., (© EXAA)


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Wolfgang Matejka

Über 30 Jahre einschlägige Erfahrung im Bankwesen, davon über 15 Jahre in Führungspositionen

  • seit 07/2013 Chief Investment Officer der Wiener Privatbank SE
  • seit 07/2010 Geschäftsführender Gesellschafter der Matejka & Partner Asset Management GmbH
  • 02/2010 - 07/2010 Geschäftsführer der Oscar Investment GmbH Wertpapierfirma
  • seit 10/2009 Geschäftsführer der Matejka Beteiligungs GmbH, Erwerb, Verwaltung, Entwicklung und Veräußerung einer Beteiligung
  • 09/ 2009-10/2009 Vorstand der Q1 Capital Management AG, Unabhängiges Multi-Manager-Investmenthaus mit Sitz in Wien
  • 06 / 2009-10/2010 GF Sparrow GmbH. (Einzelgesellschaft) – Geschäftsgegenstand: Erwerb, Verwaltung und Entwicklung von Beteiligungen
  • 04 / 2006: GF Julius Meinl Investment GmbH
  • 03 / 2004: CIO Meinl Bank AG
  • 05 / 2002: Vst. Bank Vontobel Österreich AG
  • 01 / 1999: GF Allianz Invest KapitalanlagegesmbH.
  • 07 / 1994: Investment & Trust Bank (nunm. Allianz Investment Bank AG)
  • 04 / 1990: Länderbank Capital Markets GmbH.
  • 10 / 1981: Österreichische Länderbank AG
  • Matura (Naturwissenschaftl. Realgymnasium), CEFA, div. Fachseminare

>> http://wolfgang-matejka.com


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