Übersichtsseite Blogs

>> zur Startseite mit allen Blogs

Blogger

Heike Arbter: "Bonuszertifikate so etwas wie die Österreich-Spezialität und meine auch ..." (25 Jahre ATX)


About: Für die CD-Produktion http://www.boerse-social.com/25jahreatx wurden 33 Telefon-Interviews geführt. Hier täglich ein Interview transkribiert. Heute: Heike Arbter, Vorstand ZFA. Wichtig: Diese Interviews wurden nicht für Print gemacht, die Transkripte sind ein Versuch. Die Audio-Version des Arbter-Interviews findet man unter "25 Jahre ATX - Zertifikate und Strukturierte Produkte: Wird in Österreich anders getradet als in Deutschland?das Set "Shirt und Doppel-CD" in der "Ich war dabei!"-Version hat am 9.3. das Funding-Ziel von 100 erreicht, es kann noch bis 14.4. bestellt werden (HIER die Namen der Besteller und die Details des Angebots). 

Frage (Peter Heinrich): Bitte um kurze Vorstellung.

Heike Arbter: Heike Arbter, ich bin in der RCB für den Bereich Zertifikate und Strukturierte Produkte zuständig und zusätzlich im Zertifikate Forum Austria, das ist die Interessenvertretung der Österreichischen Zertifikate Emittenten, da habe ich Moment den Vorstandsvorsitz inne.

Also haben Sie eine Doppelfunktion. Dieses Zertifikate Forum Austria, ist das sowas wie der Deutsche Derivateverband? Gibt es da gesetzliche Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich, was die Hebelprodukte und Anlagezertifikate angeht oder ist das alles ziemlich ähnlich?

Es ist eine Interessensvertretung. In Österreich ist das Zertifikate Forum Austria als Verein aufgesetzt und die Vorstände arbeiten ehrenamtlich, also das heißt, das sind Kollegen, die im Zertifikategeschäft der Banken tätig sind und das ehrenamtlich mitbetreuen. Das ist sozusagen ein bisschen ein Unterschied. Vom Markt her ist der Markt in Österreich natürlich dem Kapitalmarkt entsprechend kleiner, wir sind bei 10,5 Mrd. Euro investiertes Volumen bei Privatanlegern und in Deutschland ist das in der Größenordnung 85, 88 Mrd., also das heißt, 8x so groß wie der österreichische Markt.

Gibt es gesetzliche Unterschiedliche zu Deutschland, bei den Emittenten zum Beispiel oder bei Zertifikaten?

Es gibt gesetzliche Unterschiede dahingehend: Die Basis für die Zertifikateemission ist ein Prospekt, nach Kapitalmarktrecht und da gibt es europäische Vorschriften, wie die Prospektrichtlinie, die für alle Emittenten gleich gilt und dann gibt es natürlich ein paar Spezifika, die landesgesetzlich geregelt sind.

Gibt es Unterschiede im Trading-Verhalten, also etwas typisch Österreichisches, also der DAX steht jetzt unter 10000, der ATX heute bei 2200, das lässt sich ja nicht immer gleichsetzen? Was wahrscheinlich ähnlich ist, ist, wenn die Börsenkurse steigen, dann steigt auch das Interesse generell und da natürlich dann auch im zweiten Schritt das Interesse an Zertifikaten ...

Natürlich ist es immer gut für das Investorenpublikum, wenn die Kurse steigen, weil klassischerweise Privatanleger von positiven Aktienmärkten profitieren. Es gibt ja nur eine ganz kleine Klientel, die auf fallende Kurse setzt, das ist sicher vergleichbar. Vom Markt her, der Zertifikatemarkt ist auch vergleichbar, da ein großer Prozentsatz in kapitalgeschützten Produkten investiert ist.  Das heißt, in Österreich sind es 70% des Volumens, das zu 100% kapitalgeschützt ist, in Deutschland ist das in einer ähnlichen Größenordnung, ich glaube 65, 66%. Das heißt, hier ist ein sehr sicherheitsorientiertes Investorenpublikum, das Zertifikate gerne kauft. Was dann im Bereich der Anlagenprodukte ein bisschen unterschiedlich ist, ist, dass wir in Österreich eine sehr hohe Dominanz von Bonuszertifikaten, also Teilschutzprodukten haben, das ist in Deutschland ein bisschen breiter gefächert als hier würde ich sagen, eine größere Vielzahl von Produkttypen, die hier gehandelt werden und in Österreich hat man sich eben mit dem Produkt des Bonuszertifikates sehr angefreundet. In beiden Märkten gleich ist wieder der Prozentsatz der Hebelprodukte, also in Österreich sind die gesamten ausstehenden Volumen bei Privatinvestoren nur 0,8% Hebelprodukte, in Deutschland ist es ein bisschen mehr aber auch sehr gering, weil es maßgeblich Handelsprodukte sind, die jetzt nicht länger auf den Depots liegen und als Bestand gehalten werden. 

Der ATX feiert jetzt ein Jubiläum, 25 Jahre. Der ATX ist ja quasi auch ein Anlageprodukt ohne Kapitalschutz wenn man es mit Augenzwinkern betrachtet. Seit wann kann man denn Zertifikate auf den ATX handeln?

Die ersten Produkte hat es schon sehr früh gegeben, also das heißt, 1991 ist der ATX gekommen und dann hat es sehr bald Optionsscheine und Hebelprodukte gegeben, mit denen man den ATX handeln konnte, also das heißt, das ist nahezu zeitgleich.

Wo handelt man üblicherweise Zertifikate in Österreich?

Der klassische Marktplatz ist natürlich die Wiener Börse, die ein eigenes Zertifikatesegment bestehen hat. Dann gibt es natürlich auch die Möglichkeit an den großen Zeritifikatebörsen in Deutschland zu ordern, also in Stuttgart oder in Frankfurt und dann gibt es natürlich auch ein außerbörsliches Geschäft, also zwischen den Banken gibt es auch die Möglichkeit abseits der Börse Orders für Zertifikate geben. 

Gibt es besondere Derivate für den osteuropäischen Markt?

Ja, also Derivate ist jetzt im Sinn ein reines Produkt, das sozusagen an der Börse gehandelt wird wie ein Future oder eine Option und für den osteuropäischen Markt war die Wiener Börse Pionier in der Schaffung einer eigenen Indexfamilie, die diese osteuropäischen Märkte sehr gut abbildet. Darauf gibt es natürlich auf der einen Seite Derivate, also Futureskontrakte und Optionen, andererseits aber natürlich auch Zertifikate. Also der Unterschied jetzt Zertifikat ist die verbriefte Form, die Anleihe, die das handelbar macht, währenddessen Optionen oder Futures das reine Derivat sein.

Unterscheiden Sie eigentlich in Österreich von der Wortwahl Zertifikat, Derivat, Hebelprodukte, Scheine? Gibt es da den typischen österreichischen Ausdruck dafür?

Nein, im wesentlichen verwenden wir die Ausdrücke, die auch in Deutschland gebräuchlich sind. Der einzige Unterschied, wir sagen nicht strukturierte Derivate für die Zertifikate sondern wir sagen Zertifikate. Das heißt, alles, was verbrieft ist als Wertpapier, das bezeichnen wir als Zertifikat. 

Wenn man sich den Markt jetzt so ansieht, die Zertifikate sind eine wichtige Einnahmequelle, auch der emittierenden Banken. Wie groß ist denn hier der Umsatz? Haben Sie hier eine Größenordnung?

Eine Größenordnung kann ich Ihnen jetzt sagen, aber das ist natürlich etwas, das natürlich nur die Emittenten, die im Zertifikateforum tätig sind, vorhanden ist. Das heißt, es wird natürlich deutlich mehr umgesetzt als wir sozusagen im Forum tätig sind, also das heißt, das muss man ein bisschen relativieren.

Also die Nichtmitglieder sozusagen berücksichtigen ...

Die Umsätze kennen wir nicht. Wir kennen nur die Mitgliederumsätze und Österreich, also Zertifikate Forum Austria, das hatte 2015 fünf  Mitglieder, diese Umsätze kennen wir, da gehen wir davon aus, dass das die großen sind und 70% Marktanteil haben, aber den Rest des Marktes kennen wir nicht. Das muss ich relativierend dazusagen und der Umsatz beispielsweise in der Statistik im November waren jetzt 141 Mio. Euro. Das ist eine Größenordnung, die so schwankt, zwischen 100 und 200 Mio. Euro pro Monat. 

Wieviel von diesem ganzen Volumen, vom Kuchen her gesehen, machen die Profis aus, also Banken, Vermögensverwalter, Family Offices? 

Wir messen grundsätzlich nur Geschäfte, die mit dem Privatanleger gemacht werden, also nur das, was letztendlich zum Privatanleger gelangt, geht in die Statistik ein. Wenn jetzt beispielsweise eine Versicherung einen ATX-Putoptionsschein zur Absicherung kauft, dann ist das hier nicht enthalten. 

Die RCB ist ja Pionier am Österreichischen Zertifikatemarkt. Die einen oder anderen Kollegen von Ihnen sind ja auch in der Mediathek vom Börsenradio zu hören. Seit wann haben Sie denn in der RCB Zertifikate aufgelegt und wie lange brauchen Sie eigentlich, um eine neue Idee in eine Entscheidung umzusetzen?

Wir sind in dem Geschäft schon sehr, sehr lange tätig, also das heißt, in den frühen 90er-Jahren hat es schon Optionsscheine gegeben, dann die ersten Cash or Share-Anleihen, dann sind irgendwann Indexzertifikate gekommen, also das heißt, frühe 90er Jahre ist für die RCB der Startpunkt gewesen und mittlerweile läuft die Maschinerie sehr ausgeklügelt würde ich jetzt einmal sagen. Wir emittieren ein Zertifikat mittlerweile in 24 Stunden würde ich sagen. Das heißt, wenn der Emissionsprospekt da ist und alle Grundlagen geschaffen sind, dann geht das sehr schnell. 

Das ist wirklich sehr schnell, das heißt, sie können auf alle Marktphasen relativ schnell reagieren?

Ja, das ist ja einer der Vorteile, die eben Zertifikate bieten können, dass man, wenn man sozusagen den Grundprospekt einmal hat und den genehmigt hat, das muss man einmal im Jahr updaten, dann ist man in der Auflage einzelner Produkte, die dann diesem Prospekt entsprechen, sehr schnell und sehr flexibel und kann sehr schnell auf Kundenbedürfnisse, Marktphasen, etc. reagieren. Das ist einer der großen Vorteile, die das Zertifikat gegenüber anderen Anlageprodukten sicher hat. 

Was ist die Wahrheit über Zertifikate? Das ist eine Broschürenreihe bei Ihnen auf der Website. Was ist denn die Wahrheit über Zertifikate?

Das, was wir versucht haben darzustellen ist, mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen. In all den Jahren wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, dann kommen bestimmte Annahmen, die Kunden oder Berater haben und die immer wieder auftauchen und diese Broschüre ist ein Versuch, einfach das zu thematisieren und zu sagen, die Wahrheit und das Faktische ist das und das und das soll diese Broschüre einfach tun. 

Mein Lieblingszertifikat in der Redaktion ist das Open End Kaffee Zertifikat unseres Kaffee-Automaten, haben Sie ein Lieblingsprodukt von der Produktidee her meine ich?

Ja, einfach von der Produktidee bin ich ein ganz großer Freund von Bonuszertifikaten, deshalb, weil sie so wie man bei einem Auto oft die Teilkasko Versicherung nimmt und nicht die Vollkasko Versicherung, dass man hier auf einen gewissen Anteil von Schutz verzichtet zugunsten einer sehr interessanten, höheren Rendite. Das heißt, ich bin ein Fan von sicherheitsorientierten Produkten, etwas, wo man auch ruhig schlafen kann wenn der Markt einmal schwächer geht, aber trotzdem eine ausreichende Rendite bringen können und das haben sich eben über die letzten Jahre Bonuszertifikate herausgestellt. 

 



(06.04.2016)

 Latest Blogs

» Wochenausblick KW4: EZB, Zahlenflut und Ko...

» BASF: Ergebnis steigt im Geschäftsjahr 201...

» VCM Hospitality: Riesenparty mitten in de...

» Detailbericht EVN-HV: EnBW, Dividende, Lay...

» KESt: 2015 wurde geschüttet, was ging ... ...

» Steinhoff: Kika/Leiner an die Wiener Börse...

» DAX nimmt Allzeithoch ins Visier; Shutdown...

» K+S kommt endlich in Schwung (Ivan Tomasev...

» Der Bulle rennt (Andreas Kern)

» European Lithium: UBS zur Lithium-Aktien-K...


>> Alle Blogs


25 Jahre ATX

Rund um "25 Jahre ATX" haben wir im Dezember 2015 und Jänner 2016 eine grossangelegte Audioproduktion mit dem Ziel einer Fest-CD gemacht. Infos unter http://www.boerse-social.com/... . Hier täglich ein Interview transkribiert. Wichtig: Diese Interviews wurden nicht für Print gemacht.

>> http://boerse-social.com/25jahreatx


 Weitere Blogs von 25 Jahre ATX

» S Immo und der unglaubliche Tag des Börsen...

About: Für die CD-Produktionhttp://www.boerse-social.com/25jahreatxwurden 33 Telefon-Intervi...

» Heike Arbter: "Bonuszertifikate so etwas w...

About: Für die CD-Produktionhttp://www.boerse-social.com/25jahreatxwurden 33 Telefon-Intervi...

» Semperit-CEO Thomas Fahnemann über Vor- un...

About: Für die CD-Produktionhttp://www.boerse-social.com/25jahreatxwurden 33 Telefon-Intervi...

» Paul Schiefer, Euram Bank, die Liebe zum A...

About: Für die CD-Produktionhttp://www.boerse-social.com/25jahreatxwurden 33 Telefon-Intervi...

» Paul Severin, EAM, gibt dem ATX kein gutes...

About: Für die CD-Produktionhttp://www.boerse-social.com/25jahreatxwurden 33 Telefon-Intervi...